• Walter Gasperi

Die Dreigroschenoper


Nur drei Jahre nach der Uraufführung 1928 wurde Bertolt Brechts und Kurt Weills „Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern“ schon verfilmt. Brecht prozessierte zwar gegen die Verfilmung, die nicht seinen Vorstellungen entsprach, verlor aber vor Gericht. Bei Atlas Film ist nun Georg Wilhelm Pabsts früher Tonfilm in einem schönen Mediabook in restaurierter Fassung auf DVD und Blu-ray erschienen.


Für mehr Aufsehen als der Film an sich sorgte der Prozess, den Bertolt Brecht und Kurt Weill während der Dreharbeiten gegen den Film anstrebten. Brecht stand dem Filmgeschäft immer schon kritisch gegenüber, sah diese Verfilmung und seine Mitarbeit daran in erster Linie als „Soziologisches Experiment“.


Für den Film schrieb er sein Stück, das wiederum auf John Gays (Text) und Johann Christoph Pepuschs (Musik) 1728 erschienenen „Beggar´s Opera“ aufbaute, um und titelte sein Exposé „Die Beule – Ein Dreigroschenfilm“. Dass Brecht dabei den kritischen und antikapitalistischen Ton verschärfte, gefiel den Bossen der Nero-Film, die den Film produzierte, überhaupt nicht und sie schlossen den Autor von den Dreharbeiten aus.


Dieser wiederum strebte einen Prozess gegen den Film an, um dessen Fertigstellung zu verhindern, verlor vor Gericht, erhielt aber eine finanzielle Entschädigung. Joachim A. Lang hat letztes Jahr in „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ diesen schwierigen Produktionsprozess nachgezeichnet und mit Brechts Filmvision verknüpft.


Georg Wilhelm Pabsts Film wird aufgrund dieser Differenzen auch mit dem Insert „frei nach Brecht“ eingeleitet, als Drehbuchautoren werden nun László Vajda, Léo Lania, Béla Balázs genannt. Auffallend ist sogleich die Künstlichkeit der Kulisse. Während Pabsts Meisterwerke „Kameradschaft“, „Westfront 1918“ oder auch sein Stummfilm „Die freudlose Gasse“ Realismus und dichte Milieuschilderung kennzeichnen, wirkt diese Londoner Hafenwelt stilisiert und nie will die Kulissenhaftigkeit vertuscht werden.


Gerahmt von der „Moritat von Mackie Messer“, die von einem Straßensänger (Ernst Busch) gesungen wird und den Film einleitet und beschließt, erzählt Pabst vom Bandenchef Mackie Messer (Rudolf Forster), der die Tochter des Bettlerkönigs Peachum (Fritz Rasp) heiratet. Weil Peachum damit aber seine beste Arbeitskraft verloren geht, setzt er den Polizeichef Tiger-Brown (Reinhold Schünzel), der beste Beziehungen zu Mackie Messer pflegt und ihn deckt, unter Druck und droht ihm, die anstehende Krönungsfeier der Königin zu stören, falls er Mackie Messer nicht verhaftet.

Pabst hält sich, abgesehen vom Schluss, großteils an Brechts Bühnenstück, aber der Biss geht in seiner Inszenierung doch verloren. Statt beklemmend die Lebensverhältnisse der Unterschicht zu evozieren, beschwört Pabst mit seiner Stilisierung und den Kulissen von Andrej Andrejew eine romantische Atmosphäre und zeichnet Mackie Messer fast als Gentleman-Gauner.


Statt bitterer Kritik am Kapitalismus ist so eine leicht zu konsumierende, aber durchaus stilvolle und auch auf komödiantische Momente nicht verzichtende Theaterverfilmung entstanden, die durch die exzellente Besetzung, aber auch durch die unverwüstlichen Songs von Kurt Weill, immer noch zu unterhalten, aber sicher nicht aufzurütteln versteht.


An Sprachversionen bietet das schöne bei Atlas Film erschienene Mediabook die deutsche Originalfassung sowie Untertitel für Hörgeschädigte und eine Audiodeskription. Die Extras umfassen ein 30-minütiges Interview mit Michael Pabst, dem Sohn des Regisseurs, zur Entstehungsgeschichte des Films sowie ein hervorragendes Booklet mit Pressestimmen zur Uraufführung des Films, zeitgenössischen Berichten zum „Dreigroschenprozess“ und einem Beitrag von Martin Koerber zur Geschichte der Verfilmung der „Dreigroschenoper“.