top of page

Der Galgenbaum – The Hanging Tree (1959)

Autorenbild: Walter Gasperi
Walter Gasperi
vor 20 Stunden
3 Min. Lesezeit
"Der Galgenbaum": Die Ankunft eines Fremden löst in einem aufstrebenden Goldgräberdorf Konflikte aus.
"Der Galgenbaum": Die Ankunft eines Fremden löst in einem aufstrebenden Goldgräberdorf Konflikte aus.

In Delmer Daves´ letztem Western brechen in einem aufstrebenden Goldgräberdorf Konflikte aus, als ein Arzt mit dunkler Vergangenheit eintrifft. – Bei Plaion Pictures ist der mit Gary Cooper und Maria Schell stark besetzte Spielfilm als 68. Titel der Edition Western-Legenden in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.


Nicht in den Halbwüsten des Südwesens der USA oder um das felsige Lone Pine, sondern im waldigen Montana spielt Delmer Daves´ 1959 entstandener Western. In prächtigen Technicolorfarben fängt Ted D. McCord die malerische Landschaft ein, durch die sich ein schweigsamer Mann (Gary Cooper) einer durch Goldfunde aufblühenden Stadt nähert.


Mit einem klassischen Westernbeginn arbeitet Daves mit dieser Ankunft eines Fremden, doch für einmal handelt es sich nicht um einen Revolverhelden oder Cowboy, sondern um einen Arzt. In einer Hütte oberhalb der Stadt eröffnet dieser Joseph Frail seine Praxis. Fürsorglich kümmert er sich um seine Patient:innen, doch rasch machen Andeutungen von Männern, die ihn von früher kennen oder Gerüchte über ihn gehört haben, klar, dass er ein dunkles Geheimnis mit sich trägt. Verstärkt wird dieses Bild eines undurchsichtigen und ambivalenten Mannes dadurch, dass dieser Arzt hervorragend mit dem Revolver umgehen kann und sich auch beim Pokerspiel im Saloon zu behaupten weiß.


Bald brechen so Konflikte zwischen dem zurückhaltenden Frail und dem rauen Goldgräber Frenchy (Karl Malden) sowie einem Prediger und Quacksalber (George C. Scott) aus, der im Neuankömmling eine Konkurrenz sieht. Missgünstig blicken auch die bürgerlichen Frauen der Stadt auf Frail, als er die Schweizerin (in der deutschen Synchronfassung: Schwedin) Elizabeth Mahler (Maria Schell), die bei einem Postkutschenüberfall schwer verletzt wurde, nicht nur verarztet, sondern auch in seiner Hütte aufnimmt.


Doch auf die Annäherungsversuche Elizabeths reagiert Frail abweisend, unterstützt sie aber andererseits heimlich finanziell. Gleichzeitig hetzen Frenchy, der von Elizabeth zurückgewiesen wird, und der Quacksalber die Bewohner:innen der Stadt gegen Frail auf.


Keine großen Landschaftstotalen bestimmen "Der Galgenbaum", sondern weitgehend auf die boomende Goldgräberstadt, der Frail schon den Niedergang zur Geisterstadt voraussagt, beschränkt sich Daves. Das pessimistische Bild dieser Gesellschaft, deren Handeln von Gier und Neid bestimmt wird und in der heuchlerische Bürgerinnen eine unabhängige Frau anfeinden und sich die Bevölkerung vom manipulativen Quacksalber problemlos zu Lynchjustiz antreiben lässt, ist unübersehbar als zeitlose Kritik an der US-Gesellschaft angelegt.


Gegenpol dazu stellt der zurückhaltende und bei aller Verbitterung letztlich doch humanistische Frail dar, der freilich von einem schweren Trauma belastet wird. Mit der Ankunft Elizabeths mischt sich so nicht nur eine stille Liebesgeschichte in die Westernhandlung, sondern auch die Geschichte einer mühsamen Traumabewältigung.


Ganz das Niveau und die Dichte seiner großen Western "Broken Arrow" ("Der gebrochene Pfeil", 1950), "Jubal" ("Ein Mann ohne Furcht", 1956) und "3:10 to Yuma" ("Zähl bis drei und bete", 1957) erreicht Daves, der aufgrund eines Herzinfarkt nach zwei Dritteln der Dreharbeiten ausfiel und durch Karl Malden als Regisseur vertreten wurde, mit "Der Galgenbaum" zwar nicht. Zu holzschnittartig sind teilweise die Figuren und Konflikte gezeichnet, aber die beiden starken Hauptdarsteller:innen Gary Cooper und Maria Schell, das vielfältige Gesellschaftsbild sowie die hervorragende Kameraarbeit von Ted D. McCord lassen über solche Schwächen hinwegsehen.


An Sprachversionen bietet die bei Plaion Pictures als 68. Titel der Edition Western-Legenden erschienene Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. An Extras gibt es neben dem englischen Trailer und einer Bildergalerie ein achtseitiges Booklet mit einem Essay von Fritz Göttler.



Trailer zu "Der Galgenbaum - The Hanging Tree"



Kommentare


bottom of page