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Cruising

Autorenbild: Walter Gasperi
Walter Gasperi
vor 11 Minuten
3 Min. Lesezeit
"Cruising": Al Pacino sucht in William Friedkins umstrittenem Thriller undercover in der homosexuellen New Yorker S&M-Szene nach einem Serienmörder.
"Cruising": Al Pacino sucht in William Friedkins umstrittenem Thriller undercover in der homosexuellen New Yorker S&M-Szene nach einem Serienmörder.

Al Pacino soll als junger Cop undercover in der homosexuellen New Yorker S&M-Szene nach einem Serienmörder suchen. – Bei Plaion Pictures ist William Friedkins schon vor seiner Uraufführung 1980 heftig umstrittener Thriller mit vielfältigen Extras in einem Mediabook auf zwei Blu-ray erschienen.


Schon während der Dreharbeiten führte "Cruising" zu heftigen Kontroversen und Protesten der Homosexuellen-Szene, weil befürchtet wurde, dass das Milieu zu negativ dargestellt werde. So leitet auch ein Insert den Film ein, das betont, dass man keinesfalls die Homosexuellen verurteilen wolle und der Film mit seinem Blick auf die Sado-Maso-Szene nicht repräsentativ sei.


Ganz auf dieses Milieu fokussiert William Friedkin. In ihm soll der junge Cop Steve Burns (Al Pacino), weil er den bisherigen Mordopfern ähnelt, undercover als Lockvogel nach einem Serienkiller suchen. Langsam kommt Burns, der hofft durch diesen Job vom Streifendienst zum Kriminalpolizisten aufzusteigen, zwar dem vermutlichen Täter näher, doch das Eintauchen in diese Lack- und Lederszene verunsichert ihn auch zunehmend in seiner sexuellen Identität und führt zu einer Krise in seiner zunächst glücklichen Beziehung zu Nancy (Karen Allen).


Die Handlung bleibt im Grunde dürftig, beschränkt sich weitgehend auf die Standardmotive des Polizeifilms. Mehr als diese hat Friedkin bei seinem großteils an authentischen Schauplätzen gedrehten Thriller ganz offensichtlich die ausführliche und intensive Auslotung der homosexuellen S&M-Szene von Greenwich Village interessiert. In dem für den amerikanischen Polizeifilm typischen schmutzigen Realismus, der auch schon Friedkins Welterfolg "French Connection" (1971) kennzeichnete, wird in dem vorwiegend nachts spielenden Film dicht die Atmosphäre in diesen Schwulen-Clubs evoziert.


Intensives Körperkino entwickelt der Oscar-Preisträger in den Blicken der Männer auf die nackten Oberkörper und die enge Lederkleidung sowie in den Berührungen. Wie die Männer sich begehrlich einerseits anblicken und andererseits angeblickt werden, blickt auch die Kamera von James A. Contner intensiv auf die Clubs und die männlichen Gesten und Kontaktaufnahmen. Friedkins Blick ist dabei aber nicht homophob, sondern vielmehr deckt er die Homophobie innerhalb der Polizei auf, die Homosexuelle schikaniert und brutal verhört.


Gleichzeitig tritt an die Stelle des begehrenden Blicks ein observierender Blick, wenn Burns einen Verdächtigen ausmacht und diesen zu beobachten beginnt. Während dieses Spiel mit dem filmischen Blick "Cruising" Spannung verleiht, wird die Belastung und zunehmende Zerrissenheit von Burns trotz des intensiven Spiels von Al Pacino, der mit diesem Film an seine Rolle in Sidney Lumets Polizeithriller "Serpico" anknüpft, zu wenig entwickelt. Behauptung bleibt und nicht wirklich nachvollziehbar wird, dass das Eintauchen in diese Szene bei ihm zunehmend Zweifel an seiner sexuellen Identität aufkommen lässt.


An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures in einem Mediabook erschienenen zwei Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. Die vielfältigen Extras umfassen neben nicht untertitelten, aber gut verständlichen Audiokommentaren von William Friedkin von 2007 und von Friedkin und dem britischen Filmkritiker Mark Kermode von 2019 das rund 20-minütige, deutsch untertitelte Feature "Die Geschichte von Cruising", das mit Interviews mit Regisseur, Produzent, Beratern und Schauspiele:innen spannend die Entstehung des Films nachzeichnet.


Dazu kommen das ebenfalls deutsch untertitelte, rund 20-minütige Feature "Geistervertreibung", in dem mit Interviews mit Friedkin und seiner Crew Einblick in die Proteste, die die Dreharbeiten störten, den Soundtrack, die Reduktion der Farbe in Richtung Schwarzweißfilm und die Inszenierung der Morde geboten wird, und ein 30-minütiges Feature mit geschnittenen, alternativen und entfernten Szenen.


Weiters werden auf der zweiten Blu-ray alternative Tonspuren und sehr ausführliche, bis zu 70 Minuten lange, deutsch untertitelte Interviews mit den Schauspieler:innen Karen Allen, Jay Acovone, Mike Starr, Mark Zecca und Wally Wallace sowie mit dem Editor Bud S. Smith und dem Berater für Polizeiarbeit und Darsteller Randy Jurgensen geboten.


Neben dem Trailer, TV-Spots und einer Bildergalerie gibt es zudem den Mitschnitt eines 40-minütiges Q&A mit William Friedkin, Jim Hubbards stummen zwölfminütigen Dokumentarfilm "Stop the Movie", der die Proteste während der Dreharbeiten einfängt, und das 13-minütige, deutsch untertitelte Feature "Breaking the Codes", das Einblick in die Diskriminierung der Homosexuellen und ihre Zeichensprache in der Filmbranche in den 1950er und 1960er Jahren, aber auch in die homosexuelle Zeichensprache in "Cruising" biete . Nicht fehlen darf auch ein 28-seitiges Booklet mit einem Text des Filmwissenschaftlers Marcus Stiglegger.



Trailer zu "Cruising"



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