• Walter Gasperi

Der Don ist tot


Nach dem Tod eines Mafiabosses gerät in Las Vegas das Gefüge zwischen den drei bestimmenden Familien in Bewegung. – Richard Fleischers 1973 entstandener Mafiafilm ist bei Koch Films auf DVD und Blu-ray erschienen.


Nahezu ohne Worte laufen die ersten rund vier Minuten ab, in denen zum Vorspann ein nächtliches Drogengeschäft abgewickelt wird, das durch Verrat fast scheitert. Drahtzieher ist Frank (Robert Forster), der Sohn des Mafiabosses Don Paolo, unterstützt wird er von den Brüdern Vince und Tony (Frederic Forrest). Vorgestellt sind damit drei Protagonisten des Films.


Als Frank am nächsten Morgen erfährt, dass sein Vater verstorben ist, wird ein Treffen der drei Las Vegas kontrollierenden Familien einberufen. Mehr an eine Aufsichtsratssitzung eines Unternehmens als an eine Versammlung von Gangsterbossen erinnert diese Besprechung, bei der unterschiedliche Vorschläge gemacht werden.


Auf Anregung von Don Angelo (Anthony Quinn) wird bald eine Lösung für die Machtverteilung gefunden, der alle zustimmen. Sichtbar wird aber auch ein Generationenkonflikt zwischen Don Angelo, der Drogengeschäfte ablehnt, und dem impulsiven und wenig erfahrenen Frank. Dennoch scheint eine Zusammenarbeit möglich, doch bald wird dieses Duo vom Vertreter der dritten Familie, der nach Alleinherrschaft strebt, manipuliert, um einen Krieg auszulösen, in dem sich die beiden anderen Familien gegenseitig ausschalten sollen.


In der Nachfolge von Francis Ford Coppolas Welterfolg "The Godfather" (1972) entstand Richard Fleischers Mafiafilm. Die Distinguiertheit des alten Mafiabosses und seine Ablehnung gegenüber dem Drogengeschäft erinnern ebenso an dieses Meisterwerk wie die blutigen Auseinandersetzungen und der Aufstieg einer neuen Generation. Die epische Breite und Vielschichtigkeit von "The Godfather" erreicht "Der Don ist tot" zwar nie, bietet aber dennoch spannendes und sorgfältig inszeniertes und besetztes Kino.


Ganz auf das Beziehungsgefüge innerhalb der Familien konzentriert sich Fleischer, eine Welt außerhalb der "ehrenwerten Gesellschaft" scheint es nicht zu geben. Auch die Polizei bleibt außen vor. Präzise durchleuchtet er diese Gangsterwelt, zeigt wie durch Intrige die Protagonisten gegeneinander aufgehetzt werden. Etwas verwunderlich ist freilich schon, wie leicht Don Angelo und Frank durch die Tricks des Drahtziehers gegeneinander ausgespielt werden und ohne zu recherchieren und das Gegenüber zur Rede zu stellen gleich einen Krieg vom Zaun brechen.


Das Drehbuch, das Marvin H. Albert zusammen mit Christopher Trumbo und Michael Butler nach seinem eigenen Roman schrieb, ist aufgrund solcher Unglaubwürdigkeiten und allzu bekannter Standardsituationen sicher nicht die Stärke dieses Films. Die souveräne Regie Fleischers lässt über diese Schwächen aber zumindest teilweise hinwegsehen. Sicher hält der Routinier die Zügel in der Hand, steigert langsam, aber genau getimt die zunehmend blutigeren Konflikte.


Prägnant ist auch die Figurenzeichnung. Eine große Altersrolle - ein Gegenstück zu Marlon Brandos Don Vito in "The Godfather" - bietet "Der Don ist tot" Anthony Quinn. Er spielt Don Angelo als besonnenen Herrn, dessen Ziel es ist, den Frieden innerhalb des Machtgefüges der Familien zu erhalten, der aber auch nicht davor zurückschreckt brutal zurückzuschlagen, wenn er angegriffen wird.


Spannendste Figur ist aber der von Frederic Forrest gespielte Tony. Will er sich zunächst mehrfach von seinem Killer-Bruder Vince lösen, aus dem Mafia-Milieu aussteigen und sich eine bürgerliche Existenz aufbauen, so reißt er schließlich selbst die Zügel an sich und beginnt die Racheaktionen und seinen Aufstieg innerhalb der Mafia genau zu planen.


An Sprachversionen bietet die bei Koch Films erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf den originalen Kinotrailer sowie eine Bildergalerie.


Trailer zu "Der Don ist tot"