• Walter Gasperi

Das Geheimnis der falschen Braut - La sirène du Mississippi


Mit den noch jungen französischen Superstars Jean-Paul Belmondo und Catherine Deneuve drehte François Truffaut 1968/69 einen verspielten Film über eine obsessive Liebe. Bei Koch Media ist das leichthändige Kinostück auf DVD und Blu-ray erschienen.


Zum Vorspann sieht man Zeitungen mit Hochzeitsannoncen, die von einem Sprecher aus dem Off verlesen werden. Abrupt wechselt die Tonlage mit einer Einführung über die Geschichte der Insel Réunion, die von Ausschnitten aus Jean Renoirs „La Marseillaise“ begleitet werden.


Dem französischen Altmeister hat Truffaut seinen neunten Spielfilm auch gewidmet und die Handlung der Vorlage von William Irish, dem Pseudonym für Cornell Woolrich, von New Orleans nach Réunion verlegt. Gespannt erwartet dort der Zigarettenfabrikant Louis Mahé (Jean-Paul Belmondo), aus dessen Perspektive konsequent erzählt wird, die Braut (Catherine Deneuve), die er nur aus Briefen kennt. Mit dem Dampfer Mississippi, durch den sich der Originaltitel „La sirène du Mississippi“ erklärt und durch den geographisch auch an die Vorlage angeknüpft wird, legt sie im Hafen an, der auch der Hafen der Ehe ist.


Zur Überraschung stimmt das Foto, das Mahé in den Briefen erhalten hat, aber nicht mit der Frau überein, die nun vor ihm steht. Zwar wird bald geheiratet und Louis überträgt seiner Frau auch eine Vollmacht über das private und das Firmenkonto, doch gleichzeitig stellen sich auch Zweifel an ihrer Identität ein, bis diese Julie eines Tages mit beinahe dem ganzen Vermögen verschwunden ist.


Gemeinsam beauftragen Louis und die Schwester der verschwundenen wahren Braut einen Detektiv mit der Suche nach dieser falschen Julie. Durch Zufall stößt dann aber doch Louis bei einem Aufenthalt an der Côte d´Azur auf sie, verfällt ihr erneut und, statt wie beabsichtigt sie zu erschießen, ist er bald bereit alles für sie zu opfern, auch wenn sie sich immer wieder heftig streiten.


Souverän beherrscht Truffaut die Stimmungswechsel, lässt „Das Geheimnis der falschen Braut“ als leichte Komödie beginnen, schlägt dann, unterstützt von der Musik Antoine Duhamels, Thrillertöne an, und bewegt sich mit der Frage nach falscher und wahrer Identität auf den Spuren Hitchcocks, auf dessen Werk von "Vertigo" bis "Suspicion" auch reichlich Bezug genommen wird..


Unwahrscheinlich mag da das Verhalten Louis´ sein, der sich immer wieder von Julie um den Finger wickeln lässt, aber die Kraft dieser obsessiven Liebe, die jedes rationale Agieren über Bord werfen lässt, ist eben auch das zentrale Thema des Films. Ganz gezielt wird so auch Nicholas Rays großer Western „Johnny Guitar“ zitiert, der eben auch ein Liebesfilm ist, und dem Truffaut auch in der Farbdramaturgie vom knallig roten Wagen bis zu tiefblauen Kleidern seine Referenz erweist.


Und schließlich kommt am Ende auch noch das Märchen „Schneewittchen“ ins Spiel, weil Truffaut wohl dem Zuschauer auch signalisieren will, dass er sich des Märchenhaften seines Films durchaus bewusst ist. Denn „Das Geheimnis der falschen Braut“ ist eben auch ein SPIELfilm, in dem der Regisseur mit den Mustern des Genrekinos spielt.


In zügigem Erzähltempo verlagert sich dabei die Handlung vom tropischen Réunion über die Côte d´Azur in die verschneite französisch-schweizerische Alpenregion, in der das Paar zunächst in einer märchenhaften Hütte Zuflucht sucht, dann in die weiße Schneelandschaft – eine Referenz an das Ende von Renoirs „La grande illusion“ - flüchtet.


Herz und Motor des Films sind aber zweifellos die beiden Stars Jean-Paul Belmondo und Catherine Deneuve, auf die die Handlung ganz zugeschnitten ist. Wie man Belmondo den Deneuve verfallenen Mann glaubt, so glaubt man auch Deneuve das nicht zu stillende Verlangen nach Geld und Luxus, die Liebe aber kann sie Louis nur via Schallplatte gestehen. Ganz selbstverständlich harmonieren diese damals noch jungen Stars, so dass es ein pures Vergnügen ist, ihnen zuzuschauen.


An Sprachversionen bieten die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray die französische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche, französische und englische Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den US-Kino-Trailer, Vorspannvarianten, die isolierte Musikspur sowie eine Bildergalerie.


Trailer zu "Das Geheimnis der falschen Braut"