• Walter Gasperi

Das Feuerschiff


Drei Gangster bringen vor der Ostküste der USA ein Feuerschiff in ihre Gewalt. Während die Besatzung gewaltsamen Widerstand leisten will, verhält sich der Kapitän abwartend. Jerzy Skolimowskis mit Klaus Maria Brandauer und Robert Duvall stark besetzte und hochspannende Adaption von Siegfried Lenz´ Novelle ist bei Pidax Film auf DVD erschienen.


Jerzy Skolimowski verlegte die 1960 erschienene Novelle von der Ostsee vor die Ostküste der USA. Wie die Vorlage spielt aber auch der 1985 gedrehte Film rund zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, eine traumatische Kriegserfahrung des Kapitäns spielt eine zentrale Rolle.


Unmittelbar setzt die Handlung am nächtlichen Hafen mit dem Eintreffen eines Polizeiwagens ein. Die Beamten übergeben den 17-jährigen Alex (Skolimowskis Sohn Michael Lyndon) seinem Vater, der Kapitän auf dem Feuerschiff ist (Klaus Maria Brandauer). Mit dem Voice-over des Sohnes, das mehrfach die Handlung unterbricht, wird schon ein Vater-Sohn-Konflikt evident.


Während Alex mit seinen blonden Haaren, der rot-schwarz-karierten Jacke und der Mitte der 1950er Jahre situierten Handlung mit seinem rebellischen Verhalten stark an James Dean erinnert, agiert der Vater besonnen und zurückhaltend. Er nimmt seinen Sohn mit auf das Feuerschiff, wohl um zu verhindern, dass er weitere Dummheiten machen kann und wieder von der Polizei aufgegriffen wird.


Nachrichten von einem Überfall, bei dem drei Gangster einen Polizisten erschossen, lassen schon das Kommende erahnen. Bald muss die Mannschaft des Schiffes tatsächlich drei Männer aus Seenot retten, die sich als die gesuchten Gangster entpuppen und rasch das Kommando übernehmen. Während Alex und die kleine Crew gewaltsamen Widerstand leisten wollen, vertritt der Kapitän die Ansicht, dass seine oberste Aufgabe ist, keinesfalls Mannschaft oder Schiff zu gefährden.


Ungemein konzentriert entwickelt Skolimowski die Handlung, beschränkt sich ganz auf das Schiff und die sich steigernde, bald auch abrupt in Gewalt ausbrechende Konfrontation. Durch den meisterhaft kontrollierten Wechsel zwischen den verschiedenen Personengruppen, die präzise Zeichnung der unterschiedlichen Charaktere, aber auch durch treffenden Musikeinsatz kommt nie Leerlauf auf.


Im Zentrum stehen Klaus Maria Brandauer als Kapitän und Robert Duvall als eloquenter und hochgebildeter, aber skrupelloser Anführer der Gangster, perfekt besetzt sind aber auch die anderen Figuren. Großartig baut Skolimowski durch die Arbeit mit Gegensätzen Spannung auf, denn zum Vater-Sohn-Konflikt und den unterschiedlichen Haltungen von Kapitän und Crew kommen natürlich auch noch die Konfrontationen mit den Gangstern, die ebenfalls wieder ganz unterschiedlich gezeichnet sind. Gegenpol zum distinguierten Gangsterboss sind wiederum seine beiden Helfer, die cholerisch agieren und sofort zur Waffe greifen.


In kompakten 85 Minuten entwickelt sich so ein schnörkelloser Thriller, der einerseits brillant gespieltes Spannungskino bietet, andererseits aber auch grundsätzliche Fragen zu aktivem und passivem Widerstand und Verantwortung gegenüber sich und anderen aufwirft. Während die Mannschaft nämlich eher kurzsichtig an sich denkt, denkt der besonnene Kapitän – geprägt von seiner Kriegserfahrung – zunächst an die anderen und wird auf keinen Fall zulassen, dass das fest vor Anker liegende Schiff, das mit seinen Signalen andere Schiffe vor Minen und Klippen warnt, seinen Platz verlässt.


An Sprachversionen verfügt die bei Pidax Film erschienene DVD über die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, aber über keine Untertitel. Extras fehlen leider.


Trailer zu "Das Feuerschiff"