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  • AutorenbildWalter Gasperi

Cloudy Mountain


Massive Erdverschiebungen und Erdrutsche bedrohen die Fertigstellung eines Eisenbahntunnels im südchinesischen Bergland. Um eine nahe Stadt zu retten, steht sogar die Sprengung des Tunnels zur Diskussion: Der effektreiche und mit spektakulären Szenen punktende chinesische Katastrophenfilm, der auch ein Hohelied auf chinesischen Eisenbahnbau und Rettungstrupps singt, ist bei Plaion Pictures auf DVD und Blu-ray erschienen.


Am Beginn stehen Inserts zur geologisch labilen Lage der südchinesischen Bergregion, durch die eine Eisenbahntrasse gebaut wird. Die Karstlandschaft, durch die die Strecke verläuft, ist nämlich voller Hohlräume, die jederzeit einbrechen können.


Prunkstück der Strecke ist ein Tunnel, der nach zehn Jahren Bauzeit kurz vor der Fertigstellung steht. Doch wenn noch eine routinemäßige Sprengung ansteht, kann man schon ahnen, dass eine Katastrophe naht. Abrupt öffnen sich in der Tunnelwand nämlich Löcher und Wasser bricht ein. Das Gröbste kann zwar verhindert werden, doch rasch zeigt sich, dass die ganze Gegend sehr labil ist.


So brechen die Sicherungen in einer senkrechten Felswand aus, in die sich ein junger Geotechniker (Zhu Yilong) abgeseilt hat, um die Batterien eines Messgeräts zu wechseln. Er stürzt scheinbar ins Bodenlose, findet dann aber doch noch Halt und kann sich in eine Höhle retten, die durch die Erdverschiebungen entstanden ist.


In der nahen Stadt wiederum, in der die Freundin des Geotechnikers (Junyan Yiao) auf dessen Vater (Huang Zhizhong) wartet, öffnet sich abrupt eine riesige Erdspalte, in der ein entgleisender Zug versinkt. Sofort leistet der Vater, der vor seiner Pensionierung selbst Eisenbahnpionier war, Hilfe. Er steigt in das Sinkloch hinab, um Menschen zu retten, und sieht sich bald mit einem kleinen Trupp in einer Höhle, aus der der Rückweg versperrt ist.


Logik bleibt hier nicht nur in dem Moment außen vor, in dem der Vater bei der Suche nach einem Ausweg aus dem Höhlengewirr auf seinen Sohn trifft. Auch davon abgesehen ist diese chinesische Produktion völlig over the Top. Auf der einen Seite soll spektakuläres Katastrophenkino geboten, andererseits aber auch eine Lobeshymne auf chinesische Eisenbahnpioniere und die Effizienz der staatlich organisierten Rettungsmaßnahmen gesungen werden.


Während unter der Erde ein Kindheitstrauma des Sohnes durchbricht und ein Konflikt zwischen Vater und Sohn gelöst werden muss, droht an der Erdoberfläche weiteres Ungemach, da ein prognostizierter gewaltiger Bergsturz die ganze Stadt zu verschütten droht. Nur eine Sprengung des Tunnels scheint diese Katastrophe verhindern zu können.


Nolens volens stimmt die engagiert und entschlossen agierende Bauleiterin dem Vorschlag zu, doch die Eisenbahner sind gegen die Zerstörung des Werks, an dem sie jahrelang gearbeitet haben. – Gibt es vielleicht doch noch eine andere Lösung zur Evakuierung der Stadt, mit deren Kindern die Freundin des Geotechnikers vor den herabfallenden Felsbrocken in den Eingang einer mächtigen Höhle geflüchtet ist?


Jun Li dreht bei dieser 40 Millionen Dollar-Produkt bei den Action-Szenen voll auf. Mit großartigen Totalen wird die Handlung immer wieder in der bildschönen, von tiefen Schluchten und leuchtend grünen Wäldern bestimmten Karstlandschaft verankert. Hautnah ist dagegen die Kamera Zhao Xiashis an den Protagonisten bei den spektakulären Klettereien in senkrechter Felswand. Auch eine wilde Autofahrt, bei der immer wieder herabfallenden Felsbrocken ausgewichen oder auch mittels Rampe eine Erdspalte übersprungen werden muss, darf nicht fehlen.


Leerlauf kommt hier nie auf, Augenfutter und Action werden reichlich geboten. Auf Glaubwürdigkeit sollte man den Film freilich nicht abklopfen. Hinsichtlich der Schauwerte kann sich "Cloudy Mountain" so durchaus sehen lassen. Seltsam wirkt aber doch, wie deutlich in manchen Szenen die Arbeit mit Blue- oder Greenscreen und der Einsatz von Computeranimation sichtbar ist.


Am klassischen Hollywood-Kino orientiert sich diese chinesische Produktion auch bei der Verbindung von spektakulären Effekten mit einer privaten Familiengeschichte. Noch mehr ins Extrem wird hier allerdings das Pathos getrieben und ein markanter Unterschied liegt darin, dass es keine negative Figur gibt.


Gibt es nämlich im US-Kino in solchen Katastrophenfilmen fast immer jemanden, der aus Geldgier oder aus politischen Gründen schuld an der Katastrophe ist oder aber die Rettungsmaßnahmen verzögert, so ziehen hier alle schließlich am gleichen Strick. Auch die Bauleiterin, die zunächst noch einzig an der zeitgerechten und möglichst kostengünstigen Fertigstellung des Tunnels interessiert zu sein scheint, wandelt sich rasch zu einer Akteurin, die entschlossen und engagiert Rettungsmaßnahmen einleitet.


Auf den Punkt gebracht wird dieser propagandistische Anstrich mit dem Satz "Vertrauen Sie der Partei und der Regierung!" und gefeiert wird die nationale Größe auch im Nachspann mit historischen Fotos und Inserts, in denen die Geschichte und die Leistungen der chinesischen Eisenbahnpioniere seit den späten 1940er Jahren im Schnelldurchlauf nachgezeichnet werden. – Akzeptiert man aber diesen Aspekt oder sieht man über ihn hinweg, so wird man – sofern man nicht allzu viel mitdenkt – doch temporeich und kurzweilig unterhalten.


An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures erschienene DVD und Blu-ray die Originalfassung in Mandarin, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Die Extras beschränken sich auf den internationalen und den deutschen Trailer sowie Trailer zu weiteren Filmen dieses Labels.


Trailer zu "Cloudy Mountain"


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