• Walter Gasperi

Blood Quantum


Weiße Zombies breiten sich in einem kanadischen Indianerreservat aus. Die Indigenen verteidigen sich von einem Containerdorf aus. – Jeff Barnabys blutiger Splatterfilm, der unübersehbar auch Kritik am Kolonialismus übt, ist bei Koch Films auf DVD und Blu-ray erschienen.


Wenn die Handlung von Jeff Barnabys zweitem Spielfilm 1981 angesiedelt ist und das Grauen mit Lachsen einsetzt, die ausgeweidet zu neuem Leben erwachen, versteckt sich darin durchaus ein historischer Bezug: 1981 kam es nämlich zum gewaltsamen Konflikt zwischen den Indigenen und den weißen Behörden, als letztere die Fischereirechte streng beschränken wollten und damit die Haupteinnahmequelle der Indigenen gefährdeten.


Langsam steigert Barnaby den Horror lässt auf die untoten Fische bald einen Hund und schließlich rasend um sich beißende Weiße folgen. Wie im klassischen Zombiefilm führt auch hier ein Biss zur Ansteckung, einzig die Indigenen scheinen immun dagegen. In die Ausbreitung der Zombies – namentlich werden diese aber erst etwa nach einer Stunde so genannt – mischt Barnaby einen Familienkonflikt zwischen dem indigenen Sheriff Traylor und seinen beiden Söhnen im Teenager-Alter. Dazu kommt noch, dass Charlie, die weiße Freundin des einen Sohnes, der mit Unruhestiftung immer wieder gegen den Vater rebelliert und mehrfach schon im Gefängnis landete, schwanger ist.


Nur die Exposition ist aber diese schleichende Ausbreitung der Zombies, bei der sich Barnaby Zeit lässt. Mehr auf Verunsicherung als auf Gewaltexzesse setzt er hier und steigert die Spannung auch geschickt durch gleitende Kamerafahrten über den Fluss und die Siedlung.


Mit einem Schnitt werden nach 30 Minuten oder einem Drittel des Films sechs Monate übersprungen: Die Zivilisation ist längst abgestorben, die Indigenen haben sich in eine Containersiedlung, die wie ein Fort mit Barrikaden gesichert ist, zurückgezogen. Weiße suchen hier Zuflucht, werden aber aus Angst, dass damit Zombies eingeschleppt werden, nicht eingelassen.


Einigen von diesen im Gegensatz zu den klassischen Zombies sehr agilen und schnellen Untoten gelingt es dennoch in die Festung einzudringen, über die Bewohner herzufallen und sie zu Tode zu beißen. Gleichzeitig entwickelt sich natürlich auch Charlies Schwangerschaft, die als Hoffnungsträgerin für die Menschheit an Alfonso Cuaróns "The Children of Men" erinnert, und auch der Konflikt zwischen den beiden Brüdern spitzt sich zu. Während der ältere für konsequente Abschottung eintritt und auch gegen die Präsenz von Charlie ist, plädiert Joseph für Offenheit gegenüber der Welt. - Unübersehbar auf aktuelle gesellschaftspolitische Positionen spielt Barnaby hier an.


Spannung baut sich schon durch die Konzentration auf dieses Lager, das quasi zur Welt dieses Films wird, auf, aber auch Action kommt nicht zu kurz und wie üblich im klassischen Zombiefilm spritzt viel Blut. Eine Kettensäge mit der Schädel gespalten werden wird so ebenso eingesetzt wie vom Großvater ganz im Stil eines Samurais ein Schwert, mit dem Köpfe oder Extremitäten abgetrennt werden.


Darüber hinaus ist aber die Kritik am Kolonialismus nicht zu übersehen. Eingeleitet wird diese schon mit einem dem Film vorangestellten Siedler-Sprichwort, das auffordert, kein Abkommen mit den Einheimischen zu schließen. Hier freilich wird diese Forderung gerade umgedreht, sind es doch die Indigenen, die kein Abkommen mit den weißen Zombies schließen.


Gleichzeitig verweisen die Zombies natürlich auch auf die Ausbeutung und Unterdrückung des Landes und der indigenen Bevölkerung durch die weißen Siedler. Als Strafe Gottes oder der Natur wird so auch interpretiert, dass die die Erde zerstörenden Weißen zu Zombies mutieren, die im Einklang mit der Natur lebenden Indigenen dagegen nicht infiziert werden können.


So bietet Barnaby kompakte Unterhaltung mit gesellschaftskritischem Subtext und hält die Spannung mit dynamischer Handlungsführung und markanten Typen hoch. Das Genre erfindet er freilich nicht neu, sondern bewegt sich abgesehen von der indigenen Thematik doch in ausgetretenen Bahnen.


An Sprachversionen bieten die bei Koch Films erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras umfassen neben diversen Trailer ein Making of, ein Q & A mit den Machern sowie mehrere Interviews.

Trailer zu "Blood Quantum"