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  • AutorenbildWalter Gasperi

Besties


Die Teenager Nedjma und Zina verlieben sich leidenschaftlich, doch sie gehören zu verfeindeten Pariser Mädchen-Gangs: Bei Salzgeber ist Marion Desseigne-Ravels kraftvolle und frische, sozialrealistisch verankerte lesbische "Romeo und Julia"-Variante auf DVD erschienen.


Von Anfang an machen die algerischstämmige Nedjma (Linea El Arabi) und ihre Freudinnen klar, dass die pinke Bank im Pariser Park ihnen gehört und hier niemand sonst etwas zu suchen hat. Hautnah folgt Kamerafrau Lucile Mercier dem Teenager in der Folge durch ihr Viertel. Die unruhige Handkamera erzeugt Nähe ebenso wie Authentizität. Hier gibt es keine Distanz, sondern mitten drin ist man in der Welt Nedjmas. Ganz auf Augenhöhe der Jugendlichen ist Marion Desseigne-Ravel, Erwachsene kommen kaum einmal vor.


Irritation löst bei einem Musikquiz im Jugendtreff bei Nedjma die Begegnung mit der etwa gleichaltrigen Zina (Esther Rollande) aus, die über eine Cousine neu ins Viertel kam. Man spürt in den Blicken, wie es zwischen den beiden Teenagern funkt, doch eine Beziehung scheint unmöglich, denn sie gehören zu verfeindeten Gangs.


Intensiv vermitteln Lina El Arabi und Esther Rollande die Gefühle der beiden Jugendlichen, doch Nedjmas Gang will Zina mit einem gestellten Video als Schlampe bloßstellen. Zerrissen ist Nedjma so bald zwischen ihren Freundinnen und den Gefühlen zu Zina. Bald kommen sie sich zwar näher, doch nur auf dem Dach des Hochhauses können sie ihre Liebe leben. Als die Freundinnen sehen, wie Nedjma Zina küsst, brechen sie ihre Beziehung zu Nedjma ab, gleichzeitig stellt diese aber auch den Kontakt zu Zina ein und reagiert auf deren SMS nicht mehr.


Unverkrampft und frisch inszeniert Marion Desseigne-Ravel, ist auch durch die Einblendung von Chats und Handy-Videos nah an der Lebenswelt der Jugendlichen. Leichthändig verankert sie die scheinbar unmögliche Liebesgeschichte in einem präzis eingefangenen Milieu. Unaufdringlich deckt sie dabei auch den Konservativismus und die homophobe Haltung der islamischen Jugendlichen auf. Ihr Ruf nach Moral steht im Kontrast zur Offenheit von Nedjmas Mutter, die einst die Sehnsucht nach Freiheit von Algerien nach Frankreich emigrieren ließ.


Auf eine Eskalation der Handlung im Stil von Shakespeares "Romeo und Julia" verzichtet Desseigne-Ravel ebenso wie auf ein simples Happy-End. In der Schwebe hält sie ihren Film, wenn das Liebesglück am Ende zwar in einem von der Gesellschaft förmlich abgeschotteten Freiraum möglich scheint, die anderen aber nichts davon wissen dürfen.


Nicht nur durch dieses Ende, sondern auch durch die Einfühlsamkeit der Regisseurin in die Gefühls- und Lebenswelt dieser Jugendlichen, die temporeich-kraftvolle Inszenierung und die natürlich und lebensecht agierenden Teenager, aus denen die beiden Hauptdarstellerinnnen Lina El Arabi und Esther Rollande herausragen, überzeugt dieses Debüt und lässt gespannt auf weitere Filme Marion Desseigne-Ravels hoffen.


An Sprachversionen bietet die bei Salzgeber erschienene DVD die französische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können. Die Extras beschränken sich auf den Kinotrailer sowie weitere Trailer zu bei Salzgeber erschienenen Filmen.



Trailer zu "Besties"


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