• Walter Gasperi

Beast


Auf der Kanalinsel Jersey beginnt eine junge Frau eine Beziehung mit einem Außenseiter, um dem Druck ihrer Helikopter-Mutter zu entkommen. Michael Pearces bildstarker und fesselnder Mix aus Liebesfilm und Thriller ist bei MFA auf DVD und Blu-ray sowie als VOD erschienen.


Schon 2017 feierte das Spielfilmdebüt von Michael Pearce beim Toronto Film Festival seine Premiere, schaffte es aber im deutschsprachigen Raum nie in die Kinos. Immerhin hat MFA das starke Debüt inzwischen fürs Home-Kino herausgebracht.


Großartig fängt die Kamera von Benjamin Kracun schon in den ersten Einstellungen in dem in Cinemascope gedrehten Film die unberührte Landschaft der Kanalinsel Jersey ein, doch zwei mit Blumen und Kerzen geschmückte Gedenkstätten für verstorbene Mädchen erzeugen schon ein Gefühl der Beunruhigung. Bald wird man erfahren, dass ein Serienmörder auf der Insel umgeht, doch im Zentrum steht zunächst die 27-jährige rothaarige Moll (Jessie Buckley).


Sie arbeitet auf der Insel als Touristenführerin und kümmert sich um ihren kranken Vater. Den Druck ihrer Mutter (Geraldine James), die der jungen Frau kaum Freiraum lässt, hält sie aber zunehmend weniger aus. Zuwider ist ihr diese gehobene bürgerliche Gesellschaft, die viel Wert auf Etikette legt und den Besucher eines Festessens zum Gehen auffordert, weil er mit schwarzer Jeans den Dresscode nicht erfüllt.


Auch die zu ihrem Geburtstag organisierte Grillparty ödet Moll bald an, sodass sie in die nächste Disco abhaut und die Nacht durchtanzt. Als sie am Morgen ein junger Mann belästigt, tritt ein Fremder mit seinem Gewehr dazwischen. Rasch ist Moll von diesem Pascal (Johnny Flynn) fasziniert, der ein befreites Leben zu führen scheint, in seinem ungepflegten Äußeren Gegenpol zu Molls Familie darstellt und sich nicht nur als Wilderer an keine Regeln hält.


Molls Mutter ist Pascal freilich zuwider. Vielleicht beginnt die Tochter auch gerade deshalb eine Beziehung mit diesem Naturburschen und hält auch zu ihm, als eine weitere Leiche entdeckt wird, und er des Serienmordes verdächtigt wird. Dennoch kommen Moll langsam Zweifel an seiner Unschuld, doch auch sie trägt ein düsteres Geheimnis aus ihrer Jugend mit sich.


An Außenseiter- und Gangsterpaare wie "Bonnie und Clyde" oder Sissy Spacek und Martin Sheen in Terrence Malicks "Badlands" erinnert dieses Duo, aber kein billiger Abklatsch ist "Beast", sondern bietet mit seinen frischen Schauspielern, der großartigen Landschaft von Jersey als Hintergrund und einer starken Bildsprache aufregendes Kino.


Souverän verpackt Pearce das Streben Molls nach Unabhängigkeit und die Frage nach dem Spannungsfeld von Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Regeln in einen Mix aus Liebesfilm und Thriller. Visuell treffend, aber nicht aufgesetzt spiegelt der Debütant, der auf Jersey geboren wurde und dort seine Kindheit verbrachte, diesen Kontrast auch im Gegensatz von großartigen Aufnahmen der rauen Landschaft, die für das Freiheitsstreben und die leidenschaftliche Liebe des Paares stehen, und dunklen Innenszenen, die die Leblosigkeit und Starrheit des vor allem durch Molls strenge Mutter repräsentiereten gehobenen Bürgertums evozieren.


Und schließlich geht es entsprechend dem Titel natürlich um menschliche Abgründe. Indem Pearce konsequent aus der Perspektive Molls erzählt, lässt er auch den Zuschauer im Zweifel darüber, ob Pascal tatsächlich ein Mörder ist, lässt mit Molls Vergangenheit auch die Möglichkeit offen, dass sie das eigentliche Biest des Titels ist.


An Sprachversionen bieten die bei MFA erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den Trailer zu "Beast" sowie Trailer zu weiteren Titeln dieses Labels.


Trailer zu "Beast"