• Walter Gasperi

Ausgelöscht - Extreme Prejudice


Eine alte Geschichte: Zwei Jugendfreunde stehen sich Jahre später als Texas Ranger und Drogenboss gegenüber, dazwischen eine Frau. Und auch eine Sondereinheit der US-Army mischt mit. – Walter Hill machte daraus 1987 eine gewalttätige und blutige Mischung aus Post-Western und Actionfilm, die bei Koch Media in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen ist.


Walter Hill hat in den 1970er und 1980er Jahren das klassische Genre-Kino Hollywoods erneuert. Stoische Helden, die ihren Weg gehen, stehen immer wieder im Zentrum seiner Filme, gleichzeitig erzählt der 1942 geborene Kalifornier aber auch oft vom Ende einer Zeit. Einflüsse von John Ford und Howard Hawks sieht man so ebenso in seinen Filmen wie natürlich von Sam Peckinpah, zu dessen „Getaway“ Hill das Drehbuch schrieb.


An der Grenze zwischen den USA und Mexiko spielt „Ausgelöscht – Extreme Prejudice“ und verweist damit auch auf die moralischen Grenzen. Auf der einen Seite steht der Texas Ranger Jack Benteen (Nick Nolte), auf der anderen der Drogenboss Cash Bailey (Powers Boothe), bei dem schon der Name als Verweis auf Geldgier gelesen werden kann. Einst waren sie Freunde, immer noch empfinden sie etwas für einander und der eine will den anderen jeweils auf seine Seite ziehen, doch die Gräben sind unüberwindbar. Weil keiner nachgibt, kann am Ende nur einer überleben.


Dazwischen steht die Sängerin Sarita (Maria Conchita Alonso), die einst die Geliebte von Cash war, nun mit Jack zusammenlebt, sich aber von diesem vernachlässigt fühlt. Der Kampf der Männer ist auch einer um diese Frau, die verstört auf diese wahnsinnige Auseinandersetzung und die männliche Gewalt blickt.


Das ist die klassische Westerngeschichte, bei der dem Einzelgänger Jack, dessen väterlicher Freund Sheriff Hank Pearson (Rip Torn) bei einem Hinterhalt bald erschossen wird, mit Cash auch eine schwerbewaffnete Bande gegenübersteht. Sichtlich Mitleid hat Jack mit den kleinen Farmern, die aus Not Drogen für Cash schmuggeln, dennoch erschießt Jack einen von ihnen in Notwehr. Dies ruft freilich wieder einen Gegenschlag des Bruders des Getöteten hervor.


Neben dieser Geschichte um das Dreieck Jack – Sarita – Cash lässt Hill aber auch eine kleine Spezialeinheit der US-Armee, deren sechs Mitglieder offiziell alle schon vor Jahren gefallen sind, mitmischen. Akribisch planen sie einen Banküberfall, bei dem es scheinbar nicht um Geld, sondern auch um die Drogengeschäfte von Cash geht.


Wenn diese militärische Spezialeinheit zusammen mit Jack die Grenze zu Mexiko überschreitet, um gegen den Drogenboss vorzugehen, ist das auch ein Kommentar zur Militärintervention der USA in den 1980er Jahren in Nicaragua. Kritik an dieser Politik kann man dabei auch im falschen Spiel des Anführers der Truppe sehen, der die Soldaten für eigene Zwecke instrumentalisiert und missbraucht.


Gleichzeitig spielt Hill auch hier mit dem Gegensatz von Einzelkämpfer und Gruppe, attestiert der Sondereinheit aber Professionalität. Jack und diese Soldaten verbinden wohl auch die Ablehnung der Bürokratie und die Entschlossenheit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und zu erledigen.


Gibt es schon im Verlauf der Handlung mehrere ebenso brutale wie blutige Auseinandersetzungen, so mündet „Ausgelöscht – Extreme Prejudice“ in einen Shootout, der sich unübersehbar am großen Finale von Sam Peckinpahs „The Wild Bunch“ orientiert. Im souveränen Wechsel von Totalen und Großaufnahmen, Zeitlupe und normaler Geschwindigkeit inszeniert Hill diese wilde Ballerei, an deren Ende dann doch wieder ein geradezu leises Duell steht.


Nicht nur die Darstellung von Gewalt als Mittel der Konfliktlösung ist problematisch, sondern auch die kantigen Männerfiguren und das Frauenbild sowie die ausführlichen Schießereien, bei denen auch drastisch gezeigt wird, was Schüsse anrichten, kann man kritisieren. Aber auf jeden Fall bietet Walter Hill kompaktes Genrekino, bei dem er sicher die Erzählfäden in der Hand hält und leichthändig verknüpft. Ideal besetzt ist vor allem der physisch sehr präsente Nick Nolte als Texas Ranger, der ruhig und unbeirrt seinen Weg geht.


An Sprachversionen bietet der bei Koch Media in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienene Mix aus Post-Western und Actionfilm die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras umfassen neben dem englischen Trailer und Teaser sowie einer Bildergalerie ein 45-minütiges deutsch untertiteltes Interview mit Walter Hill, ein ebenfalls deutsch untertiteltes Making of und ein Booklet.


Trailer zu "Ausgelöscht - Extreme Prejudice"