• Walter Gasperi

Arsène Lupin, der Millionendieb (1957)


Mit der Netflix Serie "Lupin" hat der Pariser Meisterdieb Arsène Lupin vor kurzem ein Revival gefeiert. Wie stilvoll, espritreich und charmant man schon vor 65 Jahren von diesem Gentleman-Gauner erzählen konnte, zeigt Jacques Beckers Film, der bei Studiocanal auf DVD und Blu-ray erschienen ist.


Ein genauer Blick auf einfache Leute und alltägliches Leben war die Spezialität von Jacques Becker (1906 – 1960). Als sein Meisterwerk gilt die um 1900 spielende tragische Liebesgeschichte "Goldhelm" (1952). Aber auch das Porträt eines alternden Gangsters in "Wenn es Nacht wird in Paris" (1953) und der Ausbrecherfilm "Das Loch" (1960) zählen zu den Klassikern der Filmgeschichte.


Genauer Blick für Menschen und Milieus und ein Gespür für geschliffenen Witz kennzeichnet auch die 1912 spielende Gaunerkomödie "Arsène Lupin, der Millionendieb" (1957). Keine große durchgehende Handlung wird entwickelt, sondern drei Episoden werden aus dem Leben der von Maurice Leblanc 1905 erfundenen Romanfigur herausgegriffen, die dann aber wieder beiläufig durch wiederkehrende Figuren verzahnt werden.


In der ersten Episode schleicht sich der Meisterdieb (Robert Lamoureux) in eine Festgesellschaft in einem Landhaus. Stolz präsentiert hier der französische Ministerpräsident als Gastgeber drei kleine Gemälde von da Vinci, Michelangelo und Botticelli. Schon ahnen kann man, dass es auf deren Diebstahl hinauslaufen wird. Doch zunächst tanzt Lupin noch mit der deutschen Baroness Mina (Liselotte Pulver), bis plötzlich das Licht ausfällt und Lupin zur Tat schreiten kann.


Erst in der zweiten Episode wird der Protagonist näher als in Paris angesehener Millionär Laroche ebenso wie als brillanter Verwandlungskünstler vorgestellt, wenn er als alter Mann verkleidet einen Juwelier um seine wertvollsten Stücke bringt. Zwar kann er enttarnt und verhaftet werden, doch Lupin lässt sich davon nicht einschüchtern, macht sich über den Polizisten lustig, demonstriert sein Ansehen in der Pariser Gesellschaft und bringt auch seine Beziehungen bis in die höchsten Kreise ins Spiel.


Die dritte Episode führt schließlich ins Deutsche Reich, wo nicht nur ein auffallend witziger und humorvoller Kaiser Wilhelm II. (O. E. Hasse) dem Meisterdieb ein Rätsel stellt, sondern er auch der Baroness Mina wieder begegnet.


Sicher kein großer Film ist dies, doch Vergnügen bereitet es zuzusehen, wie Lupin seine Ziele erreicht. Mit viel Gusto wird dieser Gentleman-Gauner, dem es nie ums Geld, sondern vor allem um einen trickreichen Beutezug geht, von Robert Lamoureux gespielt. Nicht weniger Spielfreude zeichnet O. E. Hasse als Wilhelm II. aus und auch Liselotte Pulver kann als Baroness, die Lupin auf die Schliche kommt, überzeugen.


Schön schafft Becker auch Querverbindungen zwischen den Episoden durch wiederkehrende Figuren wie die Baroness oder einen Maharadscha, der für einen sehr gelungenen Schlussgag sorgt. Fern ist in der 1912 spielenden Komödie der Erste Weltkrieg, nichts ist in der dritten Episode von deutsch-französischen Spannungen zu spüren, sondern vielmehr nützt Becker die Gelegenheit deutsch-französische Klischees zu parodieren.


Mit Gespür für geschmackvollen und pointierten Witz wird auch die Atmosphäre einer unbeschwert lebenden Pariser High Society evoziert, in der sich der Millionär als Lupin verkleidet seine Langeweile mit Gaunereien vertreibt.


An Sprachversionen bieten die bei Studiocanal erschienene DVD und Blu-ray die französische Originalfassung und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf Trailer zu weiteren Filmen des Labels.