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  • AutorenbildWalter Gasperi

Anuschka (1942)


Ein Feuerzeug gefährdet in Helmut Käutners fünfter Regiearbeit nicht nur den Ruf der Hausangestellten Anuschka, sondern auch zwei Liebesbeziehungen. Bei UCM.ONE ist dieser 1941 gedrehte Mix aus Melodram und Komödie in digital restaurierter Fassung auf DVD und Blu-ray erschienen.


Während des Höhepunkts des Zweiten Weltkriegs entstand dieser Spielfilm, doch von Krieg ist hier nichts zu sehen und zu hören. Sichtlich von den Problemen des Alltags in eine Traumwelt entführen sollte "Anuschka" das Publikum. Auf Druck des Propagandaministeriums, dem das Verhalten der Protagonistin nicht gefiel, musste Helmut Käutner, der eine zeitgenössische Komödie plante, sogar die Handlung von der Gegenwart ins Wien der Jahrhundertwende verlegen.


Die Kamera von Erich Claunigk lässt schon am Beginn zwei Welten aufeinanderprallen: Wenn sie durch ein Maisfeld gleitet, entdeckt sie zunächst in der Wiese ein vornehmes Paar aus der Stadt und wenig später ein eher ungepflegtes, junges bäuerliches Paar. Doch nicht nur zwei Milieus stehen sich hier gegenüber, sondern auch der sichtbaren Leidenschaft der jungen Bäuerin Anuschka (Hilde Krahl) und ihres Geliebten die erkaltete Ehe der Städter.


Zusammengeführt werden Anuschka und der Arzt Dr. von Hartberg (Siegfried Breuer) durch einen Unfall ihres Vaters. Der erfahrene Chirurg kann den von einer Leiter Gestürzten zwar nicht retten, bietet der jungen Frau aber seine Hilfe an. Weil Anuschkas Hof zudem hoch verschuldet ist und die Nachbarin ihn übernehmen will, flieht sie aus dem ländlichen Mähren in die Großstadt Wien, wo sie bei von Hartberg eine Anstellung als Dienstmädchen findet.


Die von ihrem nur an den Beruf denkenden Ehemann vernachlässigte Ehefrau des Chirurgen wird wiederum vom Playboy Dr. Wendt umschwärmt. Als die Angebetete zu Wendts Verärgerung mit ihrem Ehemann zum Opernball kommt, wechselt Wendt die Location und lernt bei einem Faschingsball der Unterschicht Anuschka kennen.


Heimlich steckt er ihr ein goldenes Feuerzeug zu, das Dr. von Hartberg seiner Frau geschenkt und diese wiederum an Dr. Wendt weitergegeben hat. – Falsche Verdächtigungen und Missverständnisse sind vorgeplant, als dieses Feuerzeug im Hause von Hartbergs bei Anuschka gefunden wird.


Während fast schon karikaturistisch überzeichnete Figuren wie der Playboy Wendt, die gierige Bäuerin oder ein Dienstboten-Liebespaar und das Feuerzeug als Auslöser von Verwicklungen "Anuschka" in Richtung Komödie manövrieren, bedienen Handlungselemente wie Verschuldung, Tod des Vaters und erkaltete Ehe die melodramatische Ebene.


Wirklich heiter wird dieser Film auch nicht, wenn in einer ausladenden und prächtig ausgestatteten Szene in Parallelmontage dem Opernball der gehobenen Gesellschaft der ausgelassene Dienstboten-Ball gegenübergestellt wird. – Lastet letztlich doch die Kriegszeit über dem im Kern als leichte Kost angelegten Film?


Eine Anspielung auf das NS-Regime kann man aber auch darin sehen, dass sich hier die Figuren immer wieder belauschen oder beobachten und es kaum eine Privatsphäre gibt. Geschickt lässt Käutner jedenfalls die Rädchen ineinandergreifen, stellt prägnant herrschende Klasse, Dienstboten und Bauerntum einander gegenüber und übt auch deutliche Kritik an einer arroganten Oberschicht, die versucht alles zu vertuschen und die Dinge mit Geld zu richten.


Nicht zu übersehen ist zwar die Kulissenhaftigkeit der Innenszenen, wenn theaterhaft immer wieder Türen zugeknallt werden, aber die zahlreichen Wendungen und die verschiedenen Milieus lassen keinen Leerlauf aufkommen, sodass dank der eleganten Inszenierung und der bestechenden Schwarzweißbilder immer noch überdurchschnittliche Unterhaltung geboten wird.


An Sprachversionen bieten die bei UCM.ONE in digital restaurierter Fassung erschienene DVD und Blu-ray nur die deutsche Originalfassung. Extras fehlen.



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