Alexander Newski
- Walter Gasperi

- vor 3 Tagen
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In monumentalen Bildern erzählt Sergej Eisenstein vom Angriff des Deutschen Ritterordens auf Russland im 13. Jahrhundert und dem Abwehrkampf unter der Führung Alexander Newskis: Bei Filmjuwelen ist der propagandistische Historienfilm aus dem Jahr 1938 auf DVD und Blu-ray erschienen.
Mit "Panzerkreuzer Potemkin" erlangte Sergej Eisenstein in den 1920er Jahren Weltruhm, doch in den 1930er Jahren folgten künstlerische Probleme. Sein in den USA und Mexiko gedrehter "Que viva Mexico!" wurde nie vollendet und die "Beshin-Wiese" (1935) fiel der stalinistischen Kulturzensur zum Opfer und blieb ein 30-minütiges Fragment.
Auf Wunsch Stalins wurde Eisenstein dagegen mit der Regie des patriotischen Historienfilms "Alexander Newski" (1938) betraut. Gefeiert werden konnte darin der titelgebende Anführer und die Abwehr des im 13. Jahrhundert Russland bedrohenden Deutschen Ritterordens. Formal setzte Eisenstein in diesem Schwarzweißfilm aber nicht auf die spektakuläre Montage, die ihn in den 1920er Jahren berühmt gemacht hatte, sondern auf monumentale, aber statische Bilder.
Drastisch schildert er die Gräuel der Invasoren, wenn er diese nicht nur eine Stadt verwüsten, sondern sogar Kinder ins Feuer werfen lässt. In ihrer Not wenden sich die Gesandten Nowgorods an Alexander Newski (Nikolai Tscherkassow), der vor Jahren schon die eindringenden Schweden besiegt hat, nun aber zurückgezogen als Fischer lebt.
Heldenkult betreibt Eisenstein, wenn er diesen von Nikolai Tscherkassow gespielten Fürsten als genialen Führer zeichnet, der die patriotische Begeisterung nicht nur bei den Soldaten, sondern auch bei den Bauern entfacht.
Im Zentrum des Films steht die Schlacht auf dem zugefrorenen Peipussee, die 35 Minuten einnimmt. Unterlegt mit der Musik von Sergei Prokofjew entwickelt sich hier ein wildes Stechen und Schlagen, bei dem Eisenstein immer wieder zwischen Totalen und Einzelschicksalen wechselt. Geschickt stellt er den durch kochtopfartige Vollvisierhelme gesichtslosen Angreifern mehrere markant gezeichnete russische Verteidiger gegenüber.
Eindrucksvoll wird die Übermacht des feindlichen Heers beschworen, wenn sich dieses in einer großartigen Totalen zunächst ganz klein auf der endlosen Schneefläche nähert. Gleichzeitig werden mit Auf- und Untersichten immer wieder Machtverhältnisse vermittelt.
Wucht entwickeln die Bilder dabei auch durch ihren Minimalismus. Keine Opulenz gibt es hier, sondern karg sind Kostüme und Bauten. Auch die Schwarzweißbilder von Kameramann Eduard Tisse setzen mit starkem Kontrast von weißer Landschaft und dunkel gekleidetem russischem Heer auf markante Gegensätze und steigern auch mit dem Wechsel zwischen Totalen und Großaufnahmen das Pathos.
Unübersehbar ist, dass hier im historischen Geschehen die Gegenwart der späten 1930er Jahre gespiegelt wurde und das faschistische Deutschland mit dem Film vor einem Angriff auf die Sowjetunion gewarnt werden sollte. Nach Abschluss des Hitler-Stalin-Pakts im August 1939 wurde "Alexander Newski" zwar nicht mehr in den sowjetischen Kinos aufgeführt, doch nach dem deutschen Überfall im Juni 1941 ordnete Stalin an, dass dieser Historienfilm wieder in allen Kinos gezeigt werden soll.
Über diesen zeitgeschichtlichen Aspekt hinaus wirkt Eisensteins Film aber auch heute wieder aktuell, stellt Wladimir Putin Russland doch als Land dar, das sich gegen eine westliche Bedrohung wehrt. Newskis Schlusssatz "Wir reichen jedem die Hand, der zu uns friedlich als Gast kommt, wer aber mit dem Schwert zu uns kommt, werden wir durch das Schwert vernichten!" dürfte so auch im heutigen Russland wieder beliebt sein.
An Sprachversionen bieten die bei Film- und Fernsehjuwelen erschienene DVD und Blu-ray die russische Original- und die Synchronfassung der DDR und der BRD sowie deutsche Untertitel. Die Extras umfassen neben dem deutschen Vor- und Abspann und dem Trailer ein Interview mit dem Slawistiker Norbert Franz, der in zehn Antworten die propagandistischen Elemente in "Alexander Newski aufzeigt, sowie einen Audiokommentar von Rolf Giesen mit ausführlichen Informationen zum historischen Hintergrund und den einzelnen Crewmitgliedern. Dazu kommen ein Booklet von Giesen, das nochmals gerafft die Informationen des Audiokommentars bietet, sowie Trailer zu weiteren sowjetischen Filmen, die bei Filmjuwelen erschienen sind.
Trailer zu "Alexander Newski"




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