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  • AutorenbildWalter Gasperi

Vulcano

William Dieterle entwickelt vor dem Hintergrund der italienischen Insel Vulcano ein leidenschaftliches Melodram um zwei Schwestern. Bei Pidax Film ist der von einer großartigen Anna Magnani getragene Film auf DVD erschienen.


Zu einem auktorialen Off-Kommentar, der in den 1950 entstandenen Schwarzweißfilm einführt, sieht man Bilder der vegetationslosen Insel Vulcano, die zu den Liparischen Inseln erzählt. An Roberto Rossellinis gleichzeitig entstandenes Drama "Stromboli", das auf der ebenfalls zu dieser Inselgruppe zählenden gleichnamigen Insel spielt, erinnert nicht nur das Setting, sondern auch die Fokussierung auf einer starken Frauenfigur.


Bringt bei Rossellini eine Heirat mit einem Fischer eine vor den Nazis geflohene Litauerin (Ingrid Bergman) aus einem Flüchtlingslager auf die Insel, so kehrt bei dem gebürtigen Deutschen William Dieterle, der 1930 nach Hollywood ging und sich vor allem mit Biopics und der Verfilmung von "Der Glöckner von Notre Dame" (1939) einen Namen machte, Magdalena (Anna Magnani) nach 18 Jahren Abwesenheit auf ihre Heimatinsel zurück.


Freiwillig erfolgt diese Rückkehr aber nicht, vielmehr wird sie als Prostituierte von der Sittenpolizei Neapels quasi auf Vulcano ins Exil geschickt und ihr das Verlassen der Insel verboten. Angefeindet wird sie von den alten Frauen, die ihr sogar den Zutritt zur Kirche verwehren. Einzig bei einem alten Wächter des Vulkans und ihrer deutlich jüngeren Schwester Maria (Geraldine Brooks) findet sie Empathie.


Unübersehbar sind die biblischen Konnotationen mit der Sünderin (Maria) Magdalena und der unschuldigen Maria. Deren Verlobter hat vor zwei Jahren die Insel verlassen und sehnsüchtig erwartet Maria bei der Ankunft jedes Bootes seine Rückkehr.


Spiegelbildlich droht sich nun aber Magdalenas Schicksal mit Maria zu wiederholen, als diese sich wie einst ihre ältere Schwester in einen Frauenheld (Rossano Brazzi) verliebt. Während Maria dessen Versprechungen von großen Reisen und Heirat glaubt, durchschaut Magdalena den schmierigen Taucher. Obwohl sie sich damit den Zorn Marias auf sich zieht, unternimmt sie alles, um ihr die Augen zu öffnen und ist auch bereit, sich für die Zukunft ihrer Schwester zu opfern.


Hochgradig melodramatisch ist die Handlung, Reiz entwickelt "Vulcano" aber aus der Verbindung dieser Groschenroman-Geschichte mit Szenen, die unübersehbar vom italienischen Neorealismus inspiriert sind. Zeit lässt sich so Dieterle nicht nur für die Schilderung des Thunfischfangs oder des Schwefelabbaus, sondern verankert die Handlung durch den Dreh zwar nicht auf Vulcano, aber vorwiegend auf dem benachbarten Salina und die kontrastreichen Schwarzweißbilder von Kameramann Arturo Gallea auch atmosphärisch dicht im authentisch eingefangenen Inselambiente.


Gleichzeitig fehlt mit der Suche nach einem versunkenen Schiff, in dem sich eine Geldkiste befinden soll, auch ein klassisches Spannungselement nicht. Durchaus gelungen und spannend sind so die Unterwasseraufnahmen von diesen Tauchgängen. Eindrucksvoll ist aber auch der finale Vulkanausbruch, auch wenn dieser allzu abrupt einsetzt.


Im Zentrum stehen aber die beiden Schwestern und Magdalenas Versuch, Maria die Fehler und bitteren Erfahrungen, die sie selbst machte, zu ersparen. Großartig ist Anna Magnani in der Rolle dieser vom Leben gezeichneten Frau, die nun die Demütigungen der Dorfgemeinschaft erfahren muss und alles gibt, um ihre Schwester zu retten.


An Sprachversionen bietet die bei Pidax Film erschienene DVD die italienische Original- und die deutsche Synchronfassung aber keine Untertitel. Die Extras beschränken sich auf eine Bildergalerie sowie Trailer zu drei weiteren bei Pidax erschienenen Filmen.


Trailer zu "Vulcano"



 

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