Truly Naked


Ein Teenager, der im Porno-Unternehmen seines Vaters als Kameramann arbeitet, verliebt sich in eine Mitschülerin. - Muriel d´Ansembourgs provozierendes Spielfilmdebüt über hartes Geschäft und die langsame Entdeckung echter Gefühle ist bei Capelight Pictures auf DVD und Blu-ray erschienen.
Die Belgierin Muriel d´Ansembourg fackelt in ihrem in England spielenden Spielfilmdebüt nicht lange. Mitten hinein in den Dreh eines Pornofilms wirft sie die Zuschauer:innen. Filmbilder und Aufnahmen des Pornofilms wechseln, wenn Dylan (Andrew Howard) seine mit Goldfarbe beschmierte Pornopartnerin hart rannimmt. Kameramann beim Pornofilm ist der etwa 17-jährige Alec (Caolán O’Gorman), dessen Eltern sich als Pornodarsteller:innen kennengelernt haben und der von klein auf in diese Szene hineingewachsen ist.
So provozierend dieser direkte Auftakt ist, so zeigt er doch auch ungeschminkt die Härte des Business. Das Gefühl von Voyeurismus kommt hier nie auf, denn nah dran sind Ansembourg und ihre Kamerafrau Myrthe Mosterman zwar am Geschehen, doch ihr Blick ist kalt und deckt kompromisslos, nicht nur die männliche Dominanz, sondern auch die Gefühllosigkeit in diesem Business auf.
Kontrast dazu bildet die Schule von Alec, in der alle blitzblanke Schuluniformen tragen. Bei einem Schulprojekt will er sich dem Thema Sucht widmen. Weil er als Fokus Pornosucht auswählt, teilt ihm die Lehrerin als Partnerin seine Mitschülerin Nina (Safiya Benaddi) zu, damit auch die weibliche Perspektive berücksichtigt wird. Vorhersehbar ist, dass sich Alec und Nina während der Arbeit an ihrem Projekt näherkommen werden, doch Alec scheint aufgrund seiner Arbeit im Porno-Business zu wahren Gefühlen und Zärtlichkeit nicht in der Lage.
Plastisch stellt Ansembourg das Geschäft mit Sex dem Coming-of-Age und der ersten Liebe Alecs gegenüber. Harten Pornoszenen, in denen der Vater über seine Partnerinnen bestimmt und sie zu Objekten degradiert, stehen leise und intime Szenen zwischen den Teenagern gegenüber, in denen Alec mit der Selbstbestimmung Ninas nicht umgehen und ihr lange nicht in die Augen sehen kann. Zunehmend entfernt er sich aber mit dieser Entdeckung einer von Zärtlichkeit geprägten Beziehung von seinem Vater, dessen rücksichtsloser Umgang mit Frauen immer deutlicher zutage tritt.
Schwer trägt "Truly Naked" zwar an seiner schematischen Konstruktion, doch das für einen Coming-of-Age-Film ungewohnte Thema, der ungeschminkte Blick auf ein Milieu, in das man sonst wenig Einblick bekommt, und das starke Spiel der drei Hauptdarsteller:innen Caolán O’Gorman, Andrew Howard und Safiya Benaddi sowie die sehr authentischen Pornodarstellerinnen sorgen doch dafür, dass dieses Debüt haften bleibt.
An Sprachversionen bieten die bei Capelight Pictures erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel, aber - im Gegensatz zur allgemeinen Ankündigung - keine englischen Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den deutschen Kinotrailer sowie Trailer zu weiteren Filmen dieses Labels.
Trailer zu "Truly Naked"




Kommentare