• Walter Gasperi

Tony Arzenta – Tödlicher Hass


Alain Delon als eiskalter und schweigsamer Auftragskiller auf Rachefeldzug. – Bei explosive media (Vertrieb: Koch Films) ist Duccio Tessaris brutaler und schmutziger Gangsterfilm, der ganz auf den französischen Star zugeschnitten ist, in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.


Mit Jean-Pierre Melvilles eiskaltem und schweigsamem Killer in "Le samourai – Der eiskalte Engel" spielte Alain Delon 1967 eine Rolle, auf die er später immer wieder festgelegt wurde. Auch Duccio Tessari orientierte sich bei seinem 1973 entstandenen Gangsterfilm unübersehbar an diesem Vorbild.


Im Gegensatz zu Melvilles Jeff Costello hat Tony Arzenta aber ein Privatleben: Mit einer Geburtstagsfeier für Tonys achtjährigen Sohn wird eine heile bürgerliche Welt beschworen, doch dass der Schein trügt, wird spätestens klar, wenn Tony während der Feier aufbricht, durchs nächtliche Mailand fährt und einen Auftragsmord begeht.


Doch damit soll jetzt Schluss sein. Wegen seiner Familie möchte er aus dem Geschäft aussteigen. Seine internationalen Auftraggeber wollen das aber nicht akzeptieren und ihn beseitigen. Bei einem Anschlag kommen aber an seiner Stelle seine Frau und sein Sohn um. Vorgezeichnet ist, dass nun ein Rachefeldzug beginnt.


Die Handlung verläuft wenig überraschend. Was beeindruckt, ist freilich die Konsequenz und Schnörkellosigkeit, mit der Tessari erzählt. Der 1926 geborene Römer, der zunächst Anfang der 1960er Jahre Monumentalfilme drehte, dann mit Italo-Western und der Italo-Westernkomödie "Friss oder Stirb" (1969) bekannt wurde, fokussiert ganz auf dem Killer und seinen Aktionen sowie den Gegenschlägen seiner ehemaligen Auftraggeber.


Eine lange Verfolgungsjagd von Mailand aufs Land hinaus gibt es hier ebenso wie einen Anschlag in einem Zug. Während Tony kompromisslos und schnell zuschlägt, zeigen sich seine Gegner als Sadisten, wenn sie mit sichtlichem Vergnügen eine frühere Geliebte des Killers foltern (Carla Gravina). Nicht erwarten, darf man dabei, dass Tessari Position zur Gewalt bezieht. Nüchtern zeigt er sie und spielt auch mit der voyeuristischen Lust des Publikums an Gewaltszenen.


Kanonisches Meisterwerk ist das sicher keines, sondern ein schmutziger und harter B-Film der einigen Charme auch dadurch entwickelt, dass die Action-Szenen und Stunts handgemacht und nicht am Computer entwickelt sind. Typisch für die 1970er Jahre ist auch die Blicklenkung durch zahlreiche Zooms. Aber auch mit Autos, Kostümen und Frisuren lässt Tessari das Publikum in die frühen 1970er Jahre eintauchen und zeichnet – beschränkt freilich auf das Milieu – eine freudlose und brutale, vom Verbrechen beherrschte Welt. Die Farben sind verwaschen, die modernen Designerwohnungen strahlen Kälte aus.


Perfekt korrespondiert diese äußere Kälte mit dem emotionslosen Auftreten Tonys. Ruhe und Glück gibt es für ihn nur beim Rückzug aufs Land zu seinen Eltern. Wie am Beginn mit Familie und Job als Killer baut Tessari auch mit diesem Elternhaus einen scharfen Kontrast zu Tonys Welt auf. Hier scheint für ihn gegen Ende auch ein Neubeginn möglich, doch der Schein trügt eben.


Das bei explosive media (Vertrieb: Koch Films) erschienene Media-Book bietet zwei DVD bzw. Blu-ray mit einerseits der 108-minütigen internationalen Fassung und der um rund 15 Minuten gekürzten deutschen Kinofassung. Bei letzterer gibt es nur die deutsche Sprachfassung, bei der internationalen Fassung die italienische, die deutsche und die englische Fassung sowie Untertitel in diesen Sprachen. Die in der deutschen Fassung geschnittenen Szenen finden sich darin im italienischen Original mit deutschen Untertiteln.


An Extras gibt es neben dem Kino-Trailer und einer Bildergalerie einen deutschsprachigen Audiokommentar des Filmjournalisten Leonhard Elias Lemke, der unaufgeregt viele Hintergrundinformationen zu Regisseur und Schauspieler*innen bietet, aber auch Aufbau und Themen des Films herausarbeitet.


Trailer zu "Tony Arzenta - Tödlicher Hass"