The Rule of Jenny Pen
- Walter Gasperi

- 15. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Ein scheinbar harmloser Senior terrorisiert in einem Altenheim seine Mitbewohner:innen, findet in einem Richter, der nach einem Schlaganfall auf einen Rollstuhl angewiesen ist, aber einen entschlossenen Gegner. – Bei Plaion Pictures ist James Ashcrofts von den starken Hauptdarstellern Geoffrey Rush und John Lithgow getragener kammerspielhafte Psycho-Horrorfilm in einem Mediabook auf 4K-UHD und Blu-ray sowie als einzelne DVD und Blu-ray erschienen.
Ansatzlos ist der Einstieg mit einem Prozess, bei dem Richter Stefan Mortensen (Geoffrey Rush) seine Macht voll ausspielt. Mitleidlos verurteilt er einen Straftäter zu einer langjährigen Haftstrafe, doch in die Urteilsverkündung mischen sich sprachliche Aussetzer und Wahrnehmungsstörungen, bis der Richter auf seinem Podium zusammenbricht.
Für Stefan ist danach nichts mehr wie zuvor, wird er nach dem Schlaganfall doch in ein Altenheim eingewiesen. Seiner dominanten Position und Selbstständigkeit zuvor, steht nun seine Hilfsbedürftigkeit gegenüber, wenn er im Rollstuhl sitzt und vom Pflegepersonal gewaschen werden muss. Wie andere Bewohner:innen glaubt er freilich an baldige Besserung und, dass er das Heim bald verlassen kann.
Eindringlich vermittelt der Neuseeländer James Ashcroft in der ausführlichen Schilderung des Alltags im Altenheim den Horror des Alters und der Hinfälligkeit. Das Bild wird dabei geweitet, wenn der körperlichen Gebrechlichkeit Stefans die Demenzerkrankung einer verwirrten Frau gegenübergestellt wird.
Dichte entwickelt sein Psycho-Horrorfilm dabei auch durch die ausschließliche Konzentration auf das Heim und dessen Bewohner:innen, während das Pflegepersonal nur am Rand auftaucht. Seltsam ist freilich, wie die Betreuer:innen nicht wahrnehmen, wie der scheinbar harmlose Senior Dave Crealy (John Lithgow) nicht nur nachts, sondern auch tagsüber im Gemeinschaftsraum seine Mitbewohner:innen terrorisiert.
Niemand will aber Stefan, der mit seinen verbalen Angriffen und seinem Zynismus keineswegs als sympathischer Senior gezeichnet wird, glauben, dass Dave ihn im Bett mit Urin überschüttet hat oder ihn beim Essen mit Tritten gegen die Beine traktiert. Während der mit Stefan das Zimmer teilende Tony (George Henare) die psychischen und physischen Misshandlungen, bei denen Dave auch immer mit einer Handpuppe namens Jenny Pen arbeitet, stillschweigend erträgt, legt Stefan aber großen Widerstandswillen und Kämpfergeist an den Tag.
So entwickelt sich ein packender Psycho-Krieg, der eine große Bühne für die beiden Hauptdarsteller Geoffrey Rush und John Lithgow bietet. Gnadenlos können sie sich hier gegenseitig bekämpfen und vorhersehbar ist, dass diese Auseinandersetzung mit der völligen Niederlage eines von beiden enden muss.
Etwas dürftig ist der Film mit der Konzentration auf dieses Duell und gewisse Redundanzen bleiben im Wechsel von Schlag und Gegenschlag nicht aus. Dazu kommt auch, dass gewisse Aspekte wie die Rolle der titelgebenden Puppe nicht weiter erklärt werden und auch der offensichtliche Rassismus gegenüber dem Maori Tony nicht weiter ausgeführt wird.
Packend deckt Ashcroft aber andererseits eine gesellschaftliche Kluft und das lebenslange Gefühl einer Benachteiligung als Ursache für die Aggression Daves auf. Als Angehöriger der Unterschicht nützt er nun nämlich am Lebensende im Altenheim die Gelegenheit seine perfiden Spiele mit dem einst so angesehenen und übermächtigen, nun aber geschwächten Richter zu treiben.
An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures in einem Mediabook erschienene 4K-UHD und Blu-ray sowie auch die einzeln erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras umfassen neben zwei Originaltrailern und dem Originalteaser jeweils deutsch untertitelte Interviews mit den Hauptdarstellern Geoffrey Rush, John Lithgow und George Henare, ein Making-of mit Interviews mit Regisseur James Ashcroft und den Hauptdarstellern sowie Werbeclips mit den Hauptdarstellern.
Trailer zu "The Rule of Jenny Pen"




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