• Walter Gasperi

The Banishing - Im Bann des Dämons


Christopher Smith bietet in seinem 2020 entstandenen Horrorfilm klassischen Haunted-House-Schrecken, bringt aber auch viel Psychologie ins Spiel. Bei Koch Films ist "The Banishing" auf DVD und Blu-ray erschienen.


Nicht in der Gegenwart, sondern in den späten 1930er Jahren siedelt Christopher Smith "The Banishing" an. Verbunden wird damit die Handlung um eine Pfarrersfamilie, die im ländlichen England in ein verfluchtes Haus einzieht, mit der aggressiven Expansionspolitik Hitlers und dem drohenden Zweiten Weltkrieg.


Nachdem in der Pre-Title-Sequenz ein Pfarrer seine Frau und dann sich selbst getötet hat, zieht auf Drängen des undurchsichtigen Bischofs Malachi (John Linch) drei Jahre später – im Jahr 1938 - der neue Vikar Linus (John Hefferman) ein, dem bald seine Ehefrau Marianne (Jessica Brown Findlay) und ihre aus einer früheren, unehelichen Beziehung stammende etwa achtjährige Tochter Adelaide folgen.


Nicht nur gekippte Kameraperspektiven, sondern auch seltsame Geräusche und Wahnvorstellungen oder das Gefühl durch ein Guckloch beobachtet zu werden, erzeugen rasch ein Gefühl der Beunruhigung. Dazu kommt, dass die Beziehung zwischen Vikar und Ehefrau gespannt ist, da er keinen körperlichen Kontakt zulässt und gegenüber Adelaide immer wieder scharf reagiert. Doch auch das Mädchen verändert sich, als es im Haus seltsame Puppen findet und mit ihnen zu spielen beginnt. Zunehmend aggressiver agiert sie gegenüber Marianne und behauptet, dass sie gar nicht ihre Mutter sei.


Unübersehbar an Stanley Kubricks "The Shining" orientiert sich Smith in den Blicken und Kamerafahrten durch die langen und engen Gänge, taucht aber auch immer wieder ins dunkle Kellergewölbe ab, in dem die Wurzeln für den Spuk zu liegen scheinen.


Mit dem Gegensatz von Oben und Unten verbindet Smith eine Opposition von Licht und Dunkelheit, gleichzeitig auch von Gut und Böse, aber auch von intakter Oberfläche und tief verschütteten Traumata, die langsam durchbrechen. Denn zunehmend lüftet Smith einerseits das Geheimnis um Mariannes traumatische Vorgeschichte, andererseits kommt ein bestialischer Mord im Pfarrhaus ans Licht, der Parallelen zu Mariannes Schicksal aufweist. Da erzählt dann "The Banishing" auch von grenzenloser Mutterliebe, der eine brutale Herrschaft der Männer gegenübersteht.


Und auf einer weiteren Ebene gibt es die Opposition von Bischof und dem Okkultisten Harry Reed (Sean Harris), der im Grunde aber ein aufgeklärter Mann ist. Im Gegensatz zum Machtstreben der Kirche, die mit Verunsicherung und Unwissenheit ihre Position behaupten will, versucht Reed mit seinem Verstand die Wurzel der Bedrohung zu ergründen und diese zu beseitigen und so nicht nur die Familie vom Terror zu befreien, sondern auch dem "Dämon", der für den Spuk verantwortlich ist, zum Seelenheil zu verhelfen.


Smith arbeitet dabei mit den bekannten Mitteln des Haunted-House-Horrors und kann dem Stoff abgesehen von der Verknüpfung mit dem historischen Background, mit dem auch die Frage nach dem Bösen in der Welt im Allgemeinen aufgeworfen werden soll, kaum neue Seiten abgewinnen. Um wirklich zu packen bleiben auch die Figuren zu blass, leidlich spannende Unterhaltung wird dennoch geboten, auch wenn das insgesamt doch ein ziemlich kruder und überladener Mix an Themen ist.


An Sprachversionen bieten die bei Koch Films erschienene DVD und Blu-ray die englische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Die Extras umfassen neben einem Making of und dem Trailer ausführliche, deutsch untertitelte Interviews mit dem Regisseur Christopher Smith sowie mit den Darsteller*innen Jessica Brown Findlay und John Lynch.


Trailer zu "The Banishing - Im Bann des Dämons"