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Rental Family

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 14 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit
"Rental Family": Sanfte Tragikomödie um einen erfolglosen US-Schauspieler, der in Tokio einen Job in einer Agentur für Leihfamilien annimmt.
"Rental Family": Sanfte Tragikomödie um einen erfolglosen US-Schauspieler, der in Tokio einen Job in einer Agentur für Leihfamilien annimmt.

Ein seit sieben Jahren in Japan lebender, erfolgloser amerikanischer Schauspieler nimmt einen Job in einer Agentur für Leihfamilien an. Rasch kommen aber bei seinen Rollen als Vater oder Ehemann echte Gefühle auf. – Brendan Fraser brilliert in der sanften Tragikomödie der Japanerin Hikari, in der mit Humor immer wieder Sentimentalitäten abgefedert und gebrochen werden.


Seit den 1980er Jahren gibt es in Japan Agenturen für Leihfamilien, in denen Familienmitglieder gemietet werden können, um die Einsamkeit zu lindern, einem Verstorbenen nochmals zu begegnen oder Probleme zu bewältigen. Werner Herzog hat diese Realität 2019 im Spielfilm "Family Romance LLC" thematisiert und Bernhard Wenger erzählte zuletzt in seiner hinreißenden Gesellschaftssatire "Pfau – Bin ich echt?" von einer fiktiven österreichischen Firma ähnlicher Art.


Während bei Wenger aber der Identitätsverlust eines Mannes, der ständig in neue Rollen schlüpft, im Zentrum steht, kreist der zweite Spielfilm der Japanerin Hikari um das Spannungsfeld von Ehrlichkeit und Täuschung und die wahren Gefühle, die sich in das Spiel mischen.


Von Totalen des quirligen Tokioter Großstadtlebens engt die 49-jährige Regisseurin, die zusammen mit Stephen Blahut auch das Drehbuch schrieb, den Blick auf den seit sieben Jahren in Japan lebenden amerikanischen Schauspieler Philipp (Brendan Fraser) ein. Wortlos zeichnet sie ein Bild seines erfolglosen Vorsprechens für eine Film- oder Fernsehrolle und seinen wenig befriedigenden Job als in einen Baum verpackte Werbefigur. Einst erlangte er zwar mit einem Zahnpasta-Spot gewisse Berühmtheit, doch nun scheint beruflich nichts mehr zu gehen.


Skeptisch reagiert er auf die Anfrage einer Leihfirma für Familienmitglieder, die ihn als "Quoten-Weißen" brauchen kann. Dennoch nimmt er das Angebot an. Zügig und mit viel Witz skizziert Hikari die ersten Aufträge Philipps als amerikanischer Gast bei einer gefälschten japanischen Beerdigung und als Bräutigam einer jungen Frau, die mit der Hochzeit Familie und Bekannte darüber hinwegtäuscht, dass sie in Wahrheit lesbisch ist und schon eine Partnerin hat.


Beiläufig werden so Differenzen zwischen der westlichen und der japanischen Kultur sichtbar, in der man immer versucht den äußeren Schein zu wahren, psychische Probleme Tabu sind und Homosexualität möglichst nicht öffentlich gemacht wird.


Nach diesem Auftakt rücken zwei Aufträge ins Zentrum. Einerseits muss Philipp für die elfjährige Mia (Shannon Mahina Gorman) für mehrere Wochen den Vater spielen, damit sie mit Vorzeigeeltern in eine Elite-Schule aufgenommen wird, andererseits einen Journalisten, der einen einst berühmten, aber nun zunehmend dementen Schauspieler (Akira Emoto) interviewt, um ihm das Gefühl zu geben, immer noch beliebt und bekannt zu sein.


Der Vater-Tochter Beziehung auf der einen Seite steht so die Beziehung zu einem am Lebensende stehenden Mann auf der anderen gegenüber. Vorherzusehen ist, dass es auf beiden Ebenen nach anfänglicher Ablehnung zu einer Annäherung kommt und Philipp für seine Kunden, die freilich nicht wissen, dass sie es mit einem Schauspieler zu tun haben, eine wichtige Bezugsperson wird. Zunehmend kommen dabei aber auch beim Amerikaner Gefühle ins Spiel, die nicht in das im Grunde eiskalte Geschäft passen.


Ein tränendrückendes Rührstück könnte das sein, doch Hikari federt mit viel Humor, feinfühliger Inszenierung und dem warmherzigen Spiel Brendan Frasers immer wieder die aufkommende Sentimentalität ab. Mit rasanten Montagesequenzen wird das Tempo hochgehalten und wiederholte Blicke auf nächtliche Hochhausfronten mit erleuchteten Wohnungen evozieren eine melancholische Stimmung der Einsamkeit.


Im Zentrum steht aber die Absage an Täuschungen und Lüge und ein Plädoyer für Offenheit und eine ehrliche Kommunikation, von der Mias Mutter und Philipp beim Vorsprechen in Mias zukünftiger Schule als wichtigste Grundlage ihrer Familie sprechen. Dass deren heilende Funktion beschworen wird, kann gerade angesichts der Tatsache, dass "Rental Family" von den Disney Studios produziert wurde, nicht verwundern, doch dank des genauen Blicks auf Eigenheiten der japanischen Gesellschaft und der eleganten Inszenierung berührt diese bittersüße und sanfte Tragikomödie dennoch.

 

 

Rental Family USA 2025 Regie: Hikari mit: Brendan Fraser, Takehiro Hira, Mari Yamamoto, Shannon Mahina Gorman, Akira Emoto Länge: 103 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Skino Schaan und im Kino Scala in St. Gallen.



Trailer zu "Rental Family"



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