• Walter Gasperi

Magic Christian


Ein superreicher, exzentrischer Brite will seinem Adoptivsohn beweisen, dass man mit Geld alles und alle kaufen kann. Joseph McGraths 1969 entstandene, teils klamaukige teils satirische Komödie, in der Peter Sellers und Ringo Starr die Hauptrollen spielen, ist bei Explosive Media (Vertrieb: Koch Films) auf DVD und Blu-ray erschienen.


Mit seinen Beatles-Filmen "A Hard Day´s Night" (1964) und "Help" (1965) verlieh Richard Lester der britischen Filmkomödie in den 1960er Jahren neuen Schwung. An Lesters Stil knüpft auch Joseph McGrath an, an dessen "Magic Christian" mit Ringo Starr als Hauptdarsteller und George McCartney als Komponist eines Teils der Filmmusik zwei der vier Pilzköpfe aus Liverpool beteiligt waren.


Gleichzeitig finden sich im Drehbuch durch die Mitarbeit der beiden Monty Python-Mitglieder John Cleese und Graham Chapman schon Elemente, die die britische Komikertruppe in ihren eigenen Filmen in den 1970er und 1980er Jahre weitertrieb.


In Parallelmontage stellt McGrath den in einer luxuriösen Wohnung lebenden, superreichen Exzentriker Sir Guy Grand (Peter Sellers) und den Obdachlosen Youngman (Ringo Starr) vor, der von einem Polizisten von seinem Schlafplatz in einem Park vertrieben wird. Als der kinderlose Guy Youngman auf dem Weg zu seinem Büro zufällig begegnet, beschließt er kurzerhand den jungen Mann zu adoptieren. Guys Plan, seinem Adoptivsohn zu zeigen, wie man mit Geld alles und alle kaufen kann und wie die Gier den Menschen korrumpiert, führt zu einer Abfolge teils satirischer, teils klamaukiger Szenen.


Da führt bald Hamlet im Theater zum berühmten "Sein oder Nichtsein"-Monolog einen Striptease vor, weil Guy ihn dafür entsprechend bezahlt hat, bald geht es mit Artillerie auf Moorhuhnjagd und spielerisch werden im Bassin in der großen Wohnung mit schweren Geschützen alte Kathedralen zerstört.


So wird der Kirche ebenso eine Absage erteilt wie der britischen Arroganz, wenn Guy einen großen Wagen vorstellt, mit dem er den Amerikanern Konkurrenz machen will. Bei Sothebys kann er ein Gemälde vor der Auktion unter der Hand kaufen, indem er dem Auktionator eine entsprechende Summe zahlt, nur um dann das Gemälde gleich darauf zu zerschneiden. Bei der Auktion selbst werden die Zeichensprache der Bieter aufs Korn genommen, auch der Kult ums Gourmetessen wird persifliert und selbst die Ruderer des traditionellen Rennens zwischen Oxford und Cambridge erweisen sich als käuflich. Dann wird wieder fröhlich zu Hause musiziert, während im Fernsehen Berichte über blutige Straßenkämpfe zu sehen sind.


Höhepunkt ist aber eine Kreuzfahrt mit dem titelgebenden Luxusschiff "Magic Christian", für die nur die Elite der Gesellschaft Karten ergattert. Rasch gleitet die Fahrt ins Chaos. Einerseits ist der Kapitän dem Alkohol nicht abgeneigt, andererseits scheinen Terroristen das Schiff zu kapern und schließlich beginnen auch Dracula und King Kong ihr Unwesen zu treiben, bis eine Katastrophe à la Titanic-Untergang zu drohen scheint.


Der Handlungsaufbau ist hier nicht wichtig, McGrath und seinen Drehbuchautoren geht es um die einzelne Szene. Ein großer Film ist das kaum und nicht jeder Gag zündet. Auch vor Geschmacklosigkeiten schrecken McGrath und seine Drehbuchautoren beim Spiel mit Nazi-Themen nicht zurück, aber die Unbekümmertheit, mit der hier lustvoll – nicht nur - britische Sitten und die Klassengesellschaft verspottet und die Macht des Geldes vorgeführt werden, sowie die zahlreicher Cameoauftritte von Stars wie Christopher Lee, Yul Brynner, Raquel Welch und Roman Polanski, sorgen dennoch für unterhaltsame 90 Minuten.


An Sprachversionen bieten die bei Explosive Media (Vertrieb: Koch Films) erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf den Kinotrailer und eine Bildergalerie.


Trailer zu "Magic Christian"