top of page

Ivanhoe – Der schwarze Ritter

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit
"Ivanhoe - Der schwarze Ritter": Immer noch beeindruckender, klassischer Ritterfilm
"Ivanhoe - Der schwarze Ritter": Immer noch beeindruckender, klassischer Ritterfilm

Ende des 12. Jahrhunderts kämpft Ritter Ivanhoe für die Freilassung des in Österreich inhaftierten König Richard Löwenherz. – Bei Plaion Pictures ist Richard Thorpes 1952 entstandener, klassischer Ritterfilm auf DVD und Blu-ray erschienen.


Sir Walter Scotts 1820 veröffentlichter Roman "Ivanhoe" gilt als klassischer Ritterroman. Schon in der Stummfilmzeit wurde er verfilmt, zum Musterbeispiel des Ritterfilms wurde aber Richard Thorpes Adaption von 1952. Der Erfolg dieses Films veranlasste den Routinier, der seine Karriere schon in der Stummfilmzeit begonnen hatte, anschließend mit "Die Ritter der Tafelrunde" ("Knights of the Round Table", 1953) und "Liebe, Tod und Teufel" ("The Adventures of Quentin Durward", 1955) noch zwei weitere Ritterfilme zu drehen, die wiederum von Pandro S. Berman produziert wurden und in denen wie in "Ivanhoe" Robert Taylor die Hauptrolle spielte.


Von Beginn an erzählt Thorpe in dem Ende des 12. Jahrhunderts spielenden Film ganz aus der Perspektive des Ritters Ivanhoe (Robert Taylor). Ein Off-Erzähler rafft die Suche des Kreuzfahrers nach dem nicht aus Jerusalem zurückgekehrten König Richard Löwenherz. Nachdem Ivanhoe entdeckt hat, dass Löwenherz in einer Burg in Österreich gefangen gehalten wird, kehrt er nach England zurück, um das Lösegeld aufzutreiben.


Der regierende König John hat aber kein Interesse an der Rückkehr seines Bruders Richard und versucht Ivanhoes Bestrebungen zu sabotieren. Dazu kommt ein Konflikt zwischen den das Land beherrschenden Normannen und den alteingesessenen Angelsachsen, die John ablehnen und sich nach Richard sehnen. Auf privater Ebene gibt es zudem einen Konflikt Ivanhoes mit seinem Vater, weil dieser gegen dessen Willen am Kreuzzug teilgenommen hat. Gleichzeitig führt die Liebe der jungen Jüdin Rebecca (Elizabeth Taylor) zu Spannungen in Ivanhoes Beziehung zu seiner Geliebten Rowena (Joan Fontaine).


Thorpes Verfilmung punktet zunächst mit prachtvoller Ausstattung und Kostümen, die die Kameraarbeit von Freddie Young mit intensiven Technicolorfarben auch attraktiv ins Bild zu rücken versteht. Aber auch die abwechslungsreiche Handlungsführung und die Verzahnung von Konfliktfeldern machen "Ivanhoe" zu perfektem Hollywood-Kino alter Schule.


An die Heimkehr in Homers "Odyssee" erinnert, wie sich der Held als einfacher Sänger verkleidet in die Burg seines Vaters einschleicht und nur von seinem Hund erkannt wird. Aber auch Robin Hood und seine Bogenschützen sind immer wieder präsent und spielen bei der Eroberung einer Burg eine wichtige Rolle.


Für packende Action sorgt ein ausführlich geschildertes Turnier, bei dem Ivanhoe fast ums Leben kommt. Kontrastiert wird diese Sequenz am Ende von einem ebenso langen wie intensiven Zweikampf mit Morgenstern und Streitaxt. Dazwischen wiederum gibt es einen spektakulären Kampf um eine Burg, bei dem die Angreifer mit Rammbock und Leitern Mauern und Tor zu überwinden versuchen, während die Verteidiger mit Armbrust und Steinen dagegenhalten.


Dazu kommt der gesellschaftliche Konflikt zwischen den Normannen als die herrschenden Eroberer und den unterdrückten Angelsachsen. Als dritte Gruppe spielt aber auch die jüdische Community mit dem alten Isaac von York (Felix Aylmer) als ihrem zentralen Vertreter herein. Dabei wird einerseits an deren wiederholte Vertreibung und ihren rechtlosen Status erinnert, andererseits wird aber auch das Klischee der reichen Geldverleiher bedient.


Wie man in der starken Betonung und positiven Schilderung der Juden eine Gegenposition zum nationalsozialistischen Rassenwahn und Völkermord sehen kann, so könnte man den Konflikt zwischen Angelsachsen und Normannen auch als eine Spiegelung der gesellschaftlichen Kluft zwischen weißer und afroamerikanischer Bevölkerung in den USA lesen.


Diesen potentiellen Subtext forciert Thorpe aber nie, sondern will vor allem ebenso spannende wie romantische Unterhaltung bieten. Dazu sind auch markant gezeichnete Figuren und starke Kontraste nötig. So steht dem makellosen Ritter Ivanhoe, der beim Turnier ganz in Schwarz und mit Vollvisierhelm auftritt, im Normannen Brian De Bois-Guilbert (George Saunders) ein verschlagener Gegner gegenüber, der aber am Ende doch eine Wandlung durchmacht.


Die ältere Generation ist einerseits mit dem sanften Juden Isaac von York vertreten und andererseits mit Ivanhoes zunächst verbittertem Vater, der erst langsam den Hass auf seinen Sohn ablegt. Für Witz wiederum sorgt als Sidekick der Hofnarr Wemba, der von Ivanhoe zum Knappen erhoben wird, während Romantik mit Joan Fontaines Rowena und Elizabeth Taylors Rebecca ins Spiel kommt.


Obwohl beide Ivanhoe lieben, ist ihre Beziehung von Respekt gekennzeichnet, andererseits erteilt der Film mit dem Ende einer gesellschaftlichen Grenzüberschreitung aber eine Absage und zementiert die Trennung von christlicher und jüdischer Welt. Gleichzeitig feiert dieser auch 74 Jahre nach seiner Uraufführung bestens unterhaltende Ritterfilm mit der Rückkehr von Richard Löwenherz aber die Aussöhnung von Angelsachsen und Normannen zu einem geschlossenen England.


An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures erschienene Blu-ray und DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. An Extras gibt es neben zwei deutschen und einem englischen Trailer eine etwa zehnminütige Super-8-Fassung des Films und den Trailer sowie eine Bildergalerie.


Dazu kommen der im Paris des 17. Jahrhunderts spielende, siebenminütige "Tom & Jerry"-Cartoon "The Two Mouseketeers" ("Der liebe Tom verliert den Kopf", 1952), in dem Kater Tom einen reich gedeckten Tisch gegen zwei gefräßige Mäuse zu verteidigen versucht, sowie ein 180-seitiges (!) Booklet von Thorsten Winter.



Trailer zu "Ivanhoe - Der schwarze Ritter"



Kommentare


bottom of page