top of page

Diva Futura

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • 15. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit
"Diva Futura": Schillerndes, aber auch oberflächliches Biopic über Riccardo Schicchi und seine Erotikfilmagentur Diva Futura
"Diva Futura": Schillerndes, aber auch oberflächliches Biopic über Riccardo Schicchi und seine Erotikfilmagentur Diva Futura

Giulia Louise Steigerwalt erzählt die Geschichte Riccardo Schicchis und seiner Erotikfilmagentur Diva Futura, die in den 1980er Jahren Pornodarstellerinnen wie Cicciolina, Moana Pozzi und Eva Henger zu Stars machte. – Bei Busch Media Group ist das stark gespielte und vitale, aber auch ausufernde und oberflächliche Biopic auf DVD und Blu-ray erschienen.


Als italienische Antwort auf Paul Thomas Andersons "Boogie Nights" wird "Diva Futura" angekündigt. Andersons Film über Aufstieg und Fall eines US-Pornodarstellers in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren dürfte für Giulia Louise Steigerwalt eine zentrale Inspirationsquelle für ihren zweiten Spielfilm gewesen sein. Im Mittelpunkt stehen hier aber weniger die Pornodarstellerinnen als vielmehr Riccardo Schicchi (Pietro Castellitto), der 1983 mit der Gründung der Erotikfilmagentur Diva Futura den Grundstein der italienischen Pornoindustrie legte.


Mit Zeitinserts spannt Steigerwalt den Bogen von 1984 bis 2012, blickt aber auch kurz auf die Kindheit Schicchis mit seinem früh erwachenden Interesse für die Schönheit der Frauen und auf seine Anfänge als Erotikfotograf und Moderator einer erotischen Radiosendung zurück. Sein Star war hier Ilona Staller (Lidija Kordic), die unter dem Namen "Cicciolina" berühmt wurde und immer wieder für Skandale sorgte, indem sie in der Öffentlichkeit ihre Brüste zeigte.


Zu den die Handlung strukturierenden Zeitinserts kommen am Beginn Namensinserts, nach denen die Protagonist:innen vorgestellt werden. Neben Schicchi und "Cicciolina" kommen hier noch die Pornostars Moana Pozzi (Denise Capezza) und Éva Henger (Tesa Litvan) sowie Schicchis Sekretärin Debora Attanasio (Barbara Ronchi) dazu. Attanasios 2013 erschienenes Buch "Non dite alla mamma che faccio la segretaria" ("Sagen Sie Ihrer Mutter nicht, dass ich Sekretärin bin. Erinnerungen eines normalen Mädchens am Hofe des Hardcore-Königs") diente Steigerwalt auch als Vorlage für ihren Film.


Mit kräftigen Farben und viel nackter Haut beschwört die US-amerikanische Regisseurin italienischer Abstammung den Aufbruch, den Schicchi im katholischen Italien einleitete, rafft die Handlung mit Off-Kommentaren von Schicchi und Debora und sorgt mit Montagesequenzen, Zooms und durch kleineres Bildformat abgehobene nachinszenierte Ausschnitte aus TV-Sendungen für Schwung und Augenfutter. Gleichzeitig ufert aber die Handlung so aus, dass kein Aspekt vertieft wird.


Die oberflächliche Beschwörung der Pornoindustrie steht im Zentrum, nur kurz angerissen wird das politische Engagement von "Cicciolina", die 1987 ins italienische Parlament gewählt wurde, und Moana Pozzi, die 1991 eine Partei gründete, die sich unter anderem für die Legalisierung von Bordellen und bessere sexuelle Aufklärung einsetzte. Fragmentarisch bleiben in dem ziemlich wild zwischen den Zeitebenen hin- und herspringenden Biopic aber auch die Einblicke in die Geschichte von Schicchis titelgebender Agentur und auch seine Beziehung zu Éva Henger, die er 1991 heiratete, wird nur angerissen, aber nicht ausgeleuchtet.


Dieses gravierende dramaturgische Manko können auch die teilweise starken Schauspieler:innen nicht wettmachen. Während der von Pietro Castellitto gespielte Schicchi, der für seine Sekretärin Debora ein "liebenswerter Schuft" ist, kaum differenziertes Profil gewinnt, holen Tesa Litvan und Denise Capezza doch mehr aus ihren Figuren heraus. So gelingt es Litvan als Éva Hunger in einzelnen Szenen einen starken und berührenden Einblick in die Ausbeutung in der Pornoindustrie zu vermitteln und Capezza rechnet als Moana Pozzi in einem TV-Auftritt mit einem heuchlerischen Publikum ab, ohne das es die von der Öffentlichkeit geschmähte Pornoindustrie und ihre Stars gar nicht gäbe.


An Sprachversionen bieten die bei Busch Media Group erschienene DVD und Blu-ray die italienische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den originalen Kinotrailer und Trailer zu weiteren bei Busch Media Group erschienenen Filmen.



Trailer zu "Diva Futura"



Kommentare


bottom of page