Die Piratenbraut – Buccaneer´s Girl (1950)
- Walter Gasperi

- vor 15 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Eine selbstbewusste junge Frau gerät in der Karibik die Hände eines Piratenkapitäns, doch bald entwickelt sich eine Liebesbeziehung. – Bei Onegate ist Frederick de Cordovas in kräftigen Technicolorfarben leuchtender Abenteuerfilm auf Blu-ray erschienen.
Schon der Auftakt macht klar, wie viel manche Filme Technicolor verdanken. Ein Genuss sind einfach die satten Farben, in denen die Szene im Inneren eines Schiffs leuchtet. Augenfutter bieten danach auch der weite blaue Himmel und die sich im Wind aufbauschenden rostbraunen Segel oder die verschiedenen Kostüme, die die Sängerin Deborah McCoy (Yvonne De Carlo) nach ihrer Ankunft in New Orleans trägt.
Neuen Schwung wollte man dem doch weitgehend männerzentrierten Genre des Piratenfilms in den 1950er Jahren aber auch durch starke Frauenfiguren verleihen. Anders als in Jacques Tourneurs "Anne of the Indies" ("Die Piratenkönigin", 1951) ist die Protagonistin von Frederick de Cordovas Film aber keine Piratin, sondern gerät vielmehr als blinde Passagierin bei der Kaperung eines Schiffes in die Hände der Seeräuber.
Bei deren Anführer Frederic Baptiste (Philip Friend) ließen sich die Storylieferanten Joe May und Samuel R. Golding vom Leben des realen Piraten Jean Laffite inspirieren. Baptiste wird dabei nicht als Verbrecher, sondern vielmehr als "Robin Hood der Meere" gezeichnet, der mit seinen Angriffen den verbrecherischen Schiffsreeder Narbonne (Robert Douglas) finanziell ruinieren und mit dem Geld eine örtliche Flotte aufbauen will.
Im Gegensatz zu klassischen Piratenfilmen spielt "Die Piratenbraut" abgesehen von der Kaperung am Beginn und einem Angriff auf drei Schiffe gegen Ende weitgehend am Land. Denn nach seinen Überfällen kehrt Baptiste jeweils mit seiner Mannschaft nach New Orleans zurück, wo er als angesehener Kapitän gilt.
Nun droht ihm aber Enttarnung durch die entführte Sängerin, doch andererseits funkt es auch unübersehbar zwischen ihr und dem charmanten Piraten. Da dieser aber schon seit längerem verlobt ist, bleibt Eifersucht nicht aus. Gleichzeitig schmiedet auch Narbonne Intrigen, um Baptiste in eine Falle zu locken.
Der Action in den Seeszenen mit Kaperung und Fechtszenen stehen so Dialog- und Liebesszenen an Land gegenüber. Gekonnt arbeitet de Cordova dabei auch mit markanten Gegensätzen, wenn er dem kapitalistischen Reeder den sozialen Piraten und der selbstbewussten Protagonistin die nur an Geld und Ansehen interessierte Verlobte Baptistes gegenüberstellt.
Nicht fehlen dürfen angesichts von Deborahs Beruf als Sängerin aber auch Gesangsauftritte bei einer Abendgesellschaft und in einer Kneipe. Nur leicht kaschiert wird aufgrund der Einschränkungen durch den Hays Code dabei auch, dass sich hinter der Ausbildungsstätte für junge Frauen, in die Deborah aufgenommen wird, und die auf der Hülle der Blu-ray als "Talentschule" bezeichnet wird, in Wahrheit ein Bordell verbirgt, in dem die Frauen an die Herren der Oberschicht vermittelt werden.
Echte Dramatik und Spannung entwickelt sich dabei in dem nur 77 Minuten langen Film kaum. Zu kurz sind dafür die Szenen gehalten, zu wenig werden Konflikte und Figuren ausgelotet. Dafür bietet de Cordova mit seiner ebenso leichthändigen wie schwungvollen Inszenierung, seinem spielfreudigen Ensemble sowie der prächtigen Farbfotografie von Kameramann Russell Metty von Witz durchzogene, eskapistische Unterhaltung ohne Nachwirkung.
An Sprachversionen bieten die bei Onegate erschienene Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische Untertitel. Extras fehlen.




Kommentare