Der beste Mann - State of the Union
- Walter Gasperi
- vor 14 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Ein Flugzeugunternehmer mit Visionen strebt das Amt des amerikanischen Präsidenten an, wird dabei aber zur Marionette einer Zeitungsverlegerin und eines politischen Beraters: Bei Explosive Media (Verleih: Plaion Pictures) ist Frank Capras großartig besetzte Satire, die bissig mit der US-Politik abrechnet und "amerikanische Ehrlichkeit und Integrität" feiert, auf DVD und Blu-ray erschienen.
Die Kritik an Missständen in der amerikanischen Politik und Gesellschaft, am Establishment und an Macht- und Geldgier auf der einen Seite und die Feier des "kleinen Mannes", der an "amerikanischen Tugenden" festhält und sich nicht korrumpieren lässt, auf der anderen Seite sind wiederkehrende Themen in den Filmen von Frank Capra. "Mr. Deeds Goes to Town" (1936) kreist ebenso um diese Themen wie "Mr. Smith Goes to Washington" (1939) oder der Weihnachtsklassiker "It´s a Wonderful Life" (1946).
In dem 1948 entstandenen "Der beste Mann", für den ein Bühnenstück von Howard Lindsay und Russel Crouse als Vorlage diente, hat Grant Matthews (Spencer Tracy) schon den Aufstieg vom einfachen Arbeiter zum erfolgreichen Flugzeugunternehmer geschafft. Mit Politik hat er im Grunde nichts am Hut, doch dann will ihn die eiskalte Zeitungsverlegerin Kay Thorndyke (Angela Lansbury), die zudem Grants Geliebte ist, zusammen mit einem politischen Berater (Adolphe Menjou) zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten aufbauen.
Glaubt Grant zuerst seine eigenen Visionen vom Kampf gegen die Obdachlosigkeit und für ein leistbares Gesundheitswesen so umsetzen zu können, so wird er zunehmend zu Kompromissen gezwungen. Denn er muss Zugeständnisse an Interessensvertreter machen, um die Stimmen der Delegierten bei der Vorwahl zu erhalten – und das Wohl des "kleinen Mannes", das ihm zunächst so am Herzen lag und dessen Herz er mit seinen Reden gewann, verliert er aus den Augen.
Nur seine ihm entfremdete Frau Mary (Katharine Hepburn) wirkt wie ein moralischer Kompass. Sie übt nicht nur scharfe Kritik an seiner Kompromissbereitschaft und Korrumpierbarkeit, sondern steht mit ihren humanistischen Überzeugungen auch in Opposition zur machtgierigen Kay, die auch privat eine Widersacherin im Kampf um Grants Liebe ist.
In den zahlreichen Innenszenen, die nur durch zwei Flugszenen unterbrochen werden, und der statischen Inszenierung sieht man "Der beste Mann" die Herkunft von der Bühne an, doch darüber täuschen die ebenso rasanten wie geschliffenen Dialoge und ein lustvoll aufspielendes Ensemble hinweg.
Da brilliert nicht nur das Duo Spencer Tracy und Katharine Hepburn, das insgesamt in neun Filmen gemeinsam spielte, sondern auch Angela Lansbury beeindruckt mit der eisigen Kälte und Emotionslosigkeit der Zeitungsverlegerin. Dazu kommen Adolphe Menjou als aalglatter Strippenzieher und Van Johnson als engagierter Leiter der Wahlkampagne, der schließlich doch aus dem korrupten Politzirkus ausschert.
Souverän verbindet Capra Ehegeschichte mit der politischen Ebene, streut immer wieder kleine Gags ein und deckt in vielen Szenen treffsicher Missstände der – nicht nur - amerikanischen Politik auf. Lobbyismus und Postenschacher werden ebenso kritisiert, wie eine Presse, die ihre Macht zur Meinungsbildung hemmungslos ausnützt.
Doch trotz dieser Qualitäten entwickelt diese zwischen Komödie und Drama pendelnde Satire keine echte Durchschlagskraft. Zwar präzise, aber doch zu schlaglichtartig und ohne Einbettung ins Umfeld werden hier teilweise politische Themen abgehandelt und zu plakativ und eindimensional werden den politischen Macht- und Ränkespielen die "wahren amerikanischen Tugenden", zu denen Grant erst wieder zurückfinden muss, gegenübergestellt.
An Sprachversionen bieten die bei Explosive Media (Vertrieb: Plaion Pictures) erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf eine Bildergalerie sowie Trailer zu weiteren bei Explosive Media erschienenen Filmen.
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