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Alpha

Autorenbild: Walter Gasperi
Walter Gasperi
vor 8 Minuten
3 Min. Lesezeit
"Alpha":  Intensives Drama um Empathie in Zeiten einer Epidemie, die Angst verbreitet
"Alpha": Intensives Drama um Empathie in Zeiten einer Epidemie, die Angst verbreitet

In einer Zeit, in der ein Virus Angst verbreitet, wächst ein Mädchen mit ihrer als Ärztin arbeitenden Mutter und ihrem drogensüchtigen Onkel auf. – Bei Plaion Pictures ist Julia Ducournaus bildmächtiges und düsteres, aber auch sehr zärtliches Drama in einem Mediabook auf 4K-UHD und Blu-ray sowie auf Blu-ray und DVD erschienen.


2021 gewann Julia Ducournau mit ihrem nach dem Horrorfilm "Raw" (2016) zweiten Spielfilm "Titane" (2021) die Goldene Palme von Cannes. Heftig umstritten war dieser aufregende Mix, der Bodyhorror und Serienkillerfilm sowie Genderthematik und Mensch-Maschine-Beziehung miteinander verbindet.


Deutlich leisere Töne schlägt die 43-jährige Französin in "Alpha" an, kann mit ihrer Bildmacht und ihrer Schilderung einer desolaten Welt aber immer noch verstören. In der großartigen Auftaktsequenz geht so eine rotbraune Felslandschaft durch Zoom in ein Einstichloch im Arm des drogensüchtigen Amin (Tahar Ramin) über. Seine Nichte Alpha (Mélissa Boros) verbindet diese Löcher mit einem schwarzen Stift, bis mit einem Schnitt die Zeit wechselt und der inzwischen 13-jährigen Alpha auf einer Party in alkoholisiertem Zustand, in dem sie nichts mitbekommt, ein "A" auf den Oberarm tätowiert wird.


Geschockt ist ihre Mutter (Golshifteh Farahani) davon, denn ein Virus, das durch Blut und andere Körpersäfte übertragen wird, verbreitet in einer desolaten Welt Angst und Schrecken. Die Mutter weiß, wovor sie sich fürchtet, arbeitet sie doch in einer Klinik, in der vom Virus infizierte Menschen im wahrsten Sinne des Wortes langsam versteinern, bis sie als marmorne Statuen sterben oder zu Staub verfallen.


Verzweifelt kämpft sie nun nicht nur um ihren schon vom Virus infizierten Bruder Amin, sondern auch um Alpha, die in der Schule zunehmend gemobbt wird, weil ihre Mitschüler:innen glauben, dass sie aufgrund ihrer immer wieder blutenden Tattoo-Wunde auch infiziert sei.


Eindrücklich schildert Ducournau in ihrem in den frühen 1990er Jahre in Le Havre spielenden Film, der Erinnerungen an die Aids-Epidemie weckt, wie die Angst vor dem Virus die Menschlichkeit schwinden lässt, Ausgrenzung und Hass fördert. Gegenpol zu diesen Aggressionen und dieser Feindseligkeit sind der grenzenlose Einsatz und die Empathie der Mutter.


Vom Gesellschaftsbild wandelt sich "Alpha" so zunehmend zur dichten Familiengeschichte. Da brilliert neben der mit Leidenschaft spielenden Golshifteh Farahani als Mutter nicht nur Mélissa Boros als Teenager, sondern auch Tahar Ramin, der für diese Rolle rund 20 Kilo abnahm, als nahezu aufs Skelett abgemagerter Onkel.


Wieder bietet Ducournau durch den Blick auf die sich durch das Virus verwandelnden Menschen und den ausgemergelten Amin intensives Körperkino, doch "Alpha" ist ungleich zärtlicherer und leiser als "Titane". Da mag die Wohnung einen ebenso trostlosen Eindruck erwecken wie das Schulgebäude und das Krankenhaus und lebensfeindlich wirkt die Außenwelt, durch die ein Wind permanent roten Sand weht, doch im Kern dieses Films, der von der dynamischen Kamera von Ruben Impens und dem Soundtrack von Jim Williams angetrieben wird und durch seine Radikalität und seine Bildmacht fesselt, pulsiert die innige Beziehung zwischen Mutter, Tochter und Onkel, die wärmt, auch wenn es keine Hoffnung auf Entkommen aus dieser dystopischen Welt zu geben scheint.


An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures in einem Mediabook erschienene 4K-UHD und Blu-ray, die Blu-ray und die DVD die französische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich neben einer Trailershow zu weiteren Filmen dieses Labels und dem deutschen Kinotrailer auf fünf- bis siebenminütige, deutsch untertitelte Interviews mit Julia Ducournau und den Hauptdarsteller:innnen Mélissa Boros, Golshifteh Farahani  und Tahar Rahim.



Trailer zu "Alpha"



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