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  • AutorenbildWalter Gasperi

Dumb Money - Schnelles Geld


2021 stürzten Kleinanleger:innen mit dem intensiven Kauf von Aktien der Einzelhandelskette GameStop milliardenschwere Hedgefonds-Manager in die Krise: Craig Gillespie zeichnet die Geschichte dieser Rebellion der Underdogs gegen die Superreichen temporeich und mit Verve nach.


Wieder einmal ist das ein Film "nach einer wahren Begebenheit" und zeitlich sogar sehr nah an den Ereignissen dran. Denn nur zwei Jahre nach dem sagenhaften Anstieg der Aktie der Einzelhandelskette GameStop von 42 auf rund 480 Dollar kommt schon Craig Gillespies Verfilmung der Ereignisse, die auf Ben Mezrichs Buch "The Antisocial Network: The GameStop Short Squeeze and the Ragtag Group of Amateur Traders That Brought Wall Street to Its Knee" beruht, in die Kinos.


Mezrich hat auch zu David Finchers Mark Zuckerberg- und Facebook-Film "The Social Network" (2010) die Vorlage geliefert. Ähnlich rasant und schwungvoll legt Gillespie, der vor sechs Jahren in "I, Tonya" ebenfalls einfalls- und temporeich mit viel Witz die Geschichte um die "Eishexe" Toyja Harding erzählte, auch diesen Börsenfilm an.


Unterstützt von Inserts stellt er auf der einen Seite milliardenschwere Hedgefonds-Manager, die in Luxusvillen leben, vor, um ihnen den nerdigen Finanzanalysten Keith Gill (Paul Dano) gegenüberzustellen. Ausgehend von der großen Beunruhigung der Milliardäre aufgrund enormer Verluste blickt Gillespie sechs Monate zurück und zeichnet nach, wie Gill mit seinen Anlagetipps, die er, gekleidet mit Katzen T-Shirt und rotem Stirnband, auf Reddit unter dem Pseudonym "DeepFuckingValue" und auf Youtube als "Roaring Kitty" in Videos von seinem Keller aus gibt, die Finanzwelt erschütterte.


Während die großen Hedgefonds-Manager nämlich mit Leerverkäufen die Einzelhandelskette GameStop, die vor allem Computerspiele und Unterhaltungssoftware verkauft, in den Ruin treiben wollen, glaubt er an dieses Unternehmen, kauft selbst Aktien und regt damit auch Kleinanleger:innen zum Kauf an. Der dadurch entstehende spektakuläre Kursanstieg der Aktie verursacht wiederum Milliardenverluste bei den Managern, die mit kriminellen Mitteln diese Entwicklung zu stoppen versuchen.


Mit Börsenausdrücken wie "Leerverkäufen", "Short Squeeze" oder "Retail Investors" wird dabei nicht gespart, dennoch bleibt die Handlung immer nachvollziehbar und übersichtlich. Denn die Börsengeschäfte dienen Gillespie in erster Linie als konkretes Beispiel, um allgemein sich über die Arroganz der Reichen lustig zu machen und das Aufbegehren der kleinen Anleger zu feiern.


Den Superreichen, die in ihrer Arroganz von solchen unbedarften Privatinvestoren nur als "Dumb Money", "Dummes Geld" sprechen, stellt Gillespie eine alleinerziehende Krankenschwester gegenüber, die noch eine Hypothek zurückzahlen muss, ebenso wie ein lesbisches Studentinnen-Pärchen, das hofft mit dem Aktiengewinn seine Studienkredite tilgen zu können, und einen einfachen Angestellten von GameStop.


Zentrum von "Dumb Money" ist aber Gill, der von seinem Computer aus mit seinen Videos und seinen Kaufempfehlungen die Handlungen seiner Follower und damit die Kursentwicklung quasi steuert. Eindrücklich zeigt Gillespie hier auch, wie leicht ein Guru in Zeiten der globalen Vernetzung Entwicklungen lenken und sein Verstummen eine tiefe Verunsicherung und Erschütterung auslösen kann.


Hohes Tempo entwickelt diese mitreißende Story nicht nur durch den schnellen Wechsel zwischen den einzelnen Figuren und Schauplätzen, sondern auch durch die filmische Gestaltung. Rap-Musik und Split-Screen-Szenen, bei denen mit Found Footage aus TV-Nachrichten auch immer wieder die Historizität der Ereignisse bekräftigt wird, verleihen dem Film Verve, der Einsatz von Zeitlupe akzentuiert einzelne Momente.


Neben- und Hintergrundgeschichten zu den Akteur:innen werden weitgehend ausgeblendet, ganz auf das Börsengeschäft konzentriert sich Gillespie, verleiht seinen Figuren aber nicht zuletzt dank bis in die Nebenrollen hinein trefflicher Besetzung dennoch ein markantes persönliches Profil. Grundsympathisch sind der von Paul Dano gespielte Protagonist, seine bodenständige Frau Caroline (Shailene Woodley) und die Kleinanleger:innen, während die Manager als aalglatte und geldgierige Ekel gezeichnet werden.


Kein trockener Wirtschaftsfilm ist "Dumb Money" so, sondern eine Dramödie mit Human Touch, die dem Establishment den Stinkefinger zeigt und mit ihrem Schwung und ihrer lustvollen Inszenierung demonstriert, wie mit Chuzpe, Einfallsreichtum und Wagemut, aber letztlich auch durch die Solidarität der "kleinen Leute" den scheinbar Allmächtigen eins ausgewischt werden kann. Gleichzeitig kann der Film durch seine Machart aber auch das Selbstbewusstsein des Publikums steigern und zumindest im Kleinen anregen, sich nicht ins Bockshorn jagen zu lassen, sondern ebenso unbekümmert und entschlossen gegenüber den großen Playern aufzutreten wie Gill und diese Kleinanleger.



Dumb Money – Schnelles Geld USA 2023 Regie: Craig Gillespie mit: Paul Dano, Seth Rogen, Sebastian Stan, Pete Davidson, Shailene Woodley, Clancy Brown, Vincent D'Onofrio, Dane DeHaan Länge: 104 min.


Läuft derzeit in den Kinos


Trailer zu "Dumb Money - Schnelles Geld"




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