Adams Acht


Ein einfallsreicher und leidenschaftlicher Trainer formt aus acht Jugendlichen aus der Unterschicht in der deutschen Nachkriegszeit eine starke Rudermannschaft: Flüssig erzähltes und glänzend besetztes Biopic, das in der Verbindung von Sportgeschichte mit privaten Schicksalen und Zeitstimmung aber auch überfrachtet ist.
In kurzen Szenen spannt Hannu Salonen den Bogen von einem Verhör im Jahr 1947 zur Nazi-Vergangenheit des ehemaligen Boxers und Napola-Lehrers Karl Adam (1912 – 1976) (Oliver Masucci) zu dessen Tätigkeit als Mathematik-, Physik- und Sportlehrer mit Frau und drei Kindern in der an der deutsch-deutschen Grenze gelegenen, schleswig-holsteinischen Kleinstadt Ratzeburg im Jahr 1955 bis zum Aufbau eines Ruderclubs. Mit diesem will Adam in der von Seen umgebenen Region den Jugendlichen einen Ort bieten, an dem sie ihre Aggressionen mittels sportlicher Betätigung abbauen können.
Adam steht so im Zentrum des Films, doch der vorwiegend fürs Fernsehen arbeitende Salonen ("Tatort", "Der Kriminalist", "Die Toten vom Bodensee") bringt auch die Schicksale des vaterlos aufgewachsenen, wütenden Teenagers Manfred Rulff (Leonard Kunz) und des zwischen dem Westen und Osten pendelnden angehenden Philosophiestudenten Hans "Ari" Lenk (Felix Kammerer) ins Spiel. Staffage bleiben dagegen die anderen Ruderer, die Adam, der bei Rudertechnik und Bau des Boots physikalische Komponenten große Bedeutung beimisst, aus Kostengründen zunächst im Einer und Zweier trainiert, mit denen er dann aber 1958 auf Anhieb die deutsche Meisterschaft im Achter gewinnt.
In diesem konventionell erzählten Biopic, das eine wahre deutsche Erfolgsgeschichte nachzeichnet und ein Gegenstück zu Sönke Wortmanns Fußball-Film "Das Wunder von Bern" ist, geht es aber nicht nur um Sport, sondern auch um die deutsch-deutsche Grenze, um Standesdünkel, in dem in den 1950er Jahren von der adeligen Elite bestimmten Sport und auch um persönliche Probleme.
Ganz im Stil der Dramaturgie solcher Filme bleiben auf dem Weg zur Olympiateilnahme in Rom 1960 Probleme und Konflikte nicht aus. In eine Liebesgeschichte zwischen dem aus der Unterschicht stammendem Schlagmann Manfred und einer Tochter aus adeligem Haus, die den Underdog vor ihrer Mutter verheimlicht, mischt sich Eifersucht, als ein adeliger Ruderer ins Team kommt, der kommunistisch gesinnte Ari wiederum will sich vom Team zurückziehen, als Nazi-Söhne beim Training Nazi-Lieder singen, und auch Adam muss sich mit seiner Nazi-Vergangenheit auseinandersetzen.
Dazu kommt die Verschärfung der Situation an der deutsch-deutschen Grenze und der wachsende Druck auf Aris im Osten lebende Geliebte Ulla (Svenja Jung). Mit dieser selbstbewussten jungen Frau, die keinesfalls in die Hausfrauenrolle gedrängt werden, sondern studieren will, und Adams sich ganz auf die Kindererziehung und den Haushalt konzentrierende Gattin kommen auch zwei unterschiedliche Frauenrollen ins Spiel und schließlich spielt auch die internationale Anfeindung der BRD in den 1950er Jahren herein.
Mit diesem Mix aus Sportgeschichte, persönlichen Schicksalen und Zeitstimmung ist "Adams Acht" so überfrachtet, dass die Figuren- und Konfliktzeichnung holzschnittartig bleibt. Eine Konzentration auf weniger hätte hier mehr gebracht, dennoch bewegt dieses Sport-Biopic durch das leidenschaftliche Spiel des bis in kleine Nebenrollen hinein großartigen Ensembles und die temporeiche Erzählweise.
Gleichzeitig ist dieser Film, wenn schließlich aus Ruderern unterschiedlicher Schichten und Regionen Deutschlands eine neue Mannschaft geformt wird, die international konkurrenzfähig ist, unübersehbar, aber nie aufdringlich auch aktuell als Aufruf zur Überwindung gesellschaftlicher und regionaler Gegensätze zu lesen, um gemeinsam die Probleme zu lösen und das Land voranzubringen.
Adams Acht
Deutschland / Slowakei 2026
Regie: Hannu Salonen
mit: Oliver Masucci, Felix Kammerer, Svenja Jung, Leonard Kunz, Axel Milberg, Heino Ferch, Katrin Röver, Stephanie Amarell
Länge: 124 min.
Läuft derzeit in den deutschen und österreichischen Kinos, z.B. im Cinema Dornbirn.
Trailer zu "Adams Acht"




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