• Walter Gasperi

Vorschau auf das 42. Filmfestival Max Ophüls Preis


Das alljährlich in Saarbrücken stattfindende und nach dem Filmregisseur Max Ophüls benannte Festival (18. – 24. 1 2021) ist die renommierteste Veranstaltung für den deutschsprachigen Nachwuchsfilm. Auch die heurige Online-Ausgabe verspricht mit 98 Filmen ein reichhaltiges Programm.


Eröffnet wird die 42. Ausgabe des Filmfestival Max Ophüls Preis mit Luca Lucchesis Dokumentarfilm "A Black Jesus". Der Regisseur erforscht darin, wie der Wunsch eines Flüchtlings aus Ghana bei einer Prozession die Statue eines schwarzen Jesus durch das sizilianische Dorf zu tragen, in dem er in einem Flüchtlingszentrum lebt, die Gemeinde spaltet.


Im Spielfilmwettbewerb konkurrieren 12 Produktionen aus Österreich, Deutschland, Schweiz und Chile um den mit 36.000 Euro dotierten Max Ophüls Preis sowie um sechs weitere Preise. Der Österreicher Sebastian Brauneis erzählt in "3Freunde2Feinde" von drei jungen Wienern, die sich mit Freundschaft und Humor durchschlagen. Im Mittelpunkt von York-Fabian Raabes "Borga" steht dagegen ein Ghanaer, der davon träumt im Ausland reich zu werden. Um einen Krimi mit einem Kommissar, der mit seinem Assistenten eine Mordserie aufklären soll, handelt es sich wiederum bei Hannah Dörrs "Das Massaker von Anröchte", während Joséphine Demerliac in "Die Sonne brennt" von einer jungen Liebe im sommerlichen Berlin erzählt.


Die Situation osteuropäischer Pflegerinnen ist Ausgangspunkt von Nadine Heinzes "Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen", Juan Mora Cid lässt dagegen in "Domino vigente – der Wert der Erde" einen gebürtigen Chilenen nach 47-jährigem Aufenthalt in der Schweiz in seine Heimat zurückkehren. Auch Arman T. Riahis "Fuchs im Bau", mit dem rund zwei Monate später die Grazer Diagonale eröffnet werden wird, feiert in diesem Rahmen seine Premiere.


Mit Traumatisierung durch einen rassistischen Übergriff setzt sich Eline Gehring in "Nico" auseinander, die Schweizerin Karin Heberlein fokussiert dagegen in "Sami, Joe und ich" auf drei Freundinnen, die an der Grenze zum Erwachsenenalter stehen. Ein 17-jähriger Einzelgänger steht dagegen im Zentrum von Christian Schäfers "Trübe Wolken", die Schweizerin Stefanie Klemm erzählt in "Von Fischen und Menschen" von einer alleinerziehenden Mutter, deren aufkeimendes Glück durch einen Schicksalschlag erschüttert wird, und um ein überfordertes junges Paar und sein einjähriges Kind kreist Nancy Camaldos "Windstill".


Zehn Filme wurden in den Dokumentarfilm-Wettbewerb eingeladen. Daniel Hoesl und Julia Niemann blicken in dem starken "Davos" vor dem Hintergrund des alljährlichen Weltwirtschaftsforums auf die Gegensätze des Schweizer Kurorts. Franz Böhm porträtiert in "Dear Future Children" dagegen junge Protestbewegungen für soziale Gerechtigkeit, für Demokratie und gegen die Folgen des Klimawandels.


Der Vorarlberger Philipp Fussenegger und Dino Osmaovic porträtieren in "I am the Tigress" die junge Tischa, die davon träumt die beste Bodybuilderin der Welt zu werden, während im Zentrum von Tim Ellrichs und Thi Hien Mais "Mein Vietnam" ein vietnamesisches Ehepaar steht, das seit 30 Jahren in Deutschland lebt.


Christoph Eder wiederum dokumentiert in "Wem gehört mein Dorf" den Streit der EinwohnerInnen des Ostseebads Göhren auf Rügen über die Zukunft ihres Dorfs. Auf ein Dorf im Erzgebirge, das 800 Jahre lang vom Bergbau geprägt wurde, fokussiert Laura Reichwald in "Stollen". Antonia Traulsen und Claire Roggan begleiten dagegen in "Wir alle, das Dorf" mit der Kamera das Projekt einer Dorfgründung für hundert Alte, hundert Geflüchtete und hundert Junge.


Sophie Linnenbaum lässt in "Väter unser" sechs unterschiedliche Menschen Geschichten über ihre Väter erzählen. Alison Kuhn wiederum deckt in "The Case You" am Schicksal von fünf Schauspielerinnen sexuellen Missbrauch und gewaltsame Übergriffe in der Welt des Theaters auf und Lennart Hüper hat sich für "Nichts Neues" auf das zivile Seenotrettungsschiff „Lifeline“ begeben


Daneben konkurrieren zehn 25- bis 65-minütige Filme im Wettbewerb "Mittellanger Film" und 18 maximal 25-minütige Filme im Kurzfilmwettbewerb. In der MOP-Watchlist werden herausragende deutschsprachige Nachwuchsfilme des vergangenen Jahres gezeigt und auch eine Kinderfilmreihe fehlt nicht. Der Ehrenpreis für Verdienste um den jungen deutschsprachigen Film wird heuer an Wim Wenders vergeben.


Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Filmfestival Max Ophüls Preis.