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  • AutorenbildWalter Gasperi

Vorarlberger Kleinkinoförderung – Ein Kommentar

Aktualisiert: 8. Mai 2023


Metrokino Bregenz

Laut Bericht der Vorarlberger Nachrichten gewährt die Vorarlberger Landesregierung rückwirkend bis 2022 eine jährliche Förderung von 98.000 Euro für kleine und traditionelle Kinos. – Die Aufteilung der Mittel und fehlende Zukunftsperspektiven werfen aber Fragen auf.


"Kunst und Kultur haben in Vorarlberg einen hohen Stellenwert. Mit dieser Förderung setzt das Land ein klares Bekenntnis zur Vielfalt und zum heimischen Angebot in Vorarlberg" wird Landesstatthalterin und Kulturlandesrätin Barbara Schöbi-Fink in den VN vom 22./23.4. 2023 (Artikel siehe Anhang) zitiert. Das klingt schön, doch Irritation löst dann doch die Aufteilung der Mittel aus.


Als Kriterien werden nämlich unter anderem die strategische Ausrichtung und Schwerpunktsetzung sowie die konkrete Anzahl der gezeigten Filme genannt. Ebenso sei die enge Zusammenarbeit mit den Vorarlberger Filmclubs relevant. Seltsam mutet vor diesem Hintergrund an, dass beispielsweise das Gasthaus Jöslar in Andelsbuch, in dem monatlich ein Film gezeigt wird – also maximal 12 Filmvorführungen pro Jahr – mit 6000 Euro gefördert wird, und das Metrokino Bregenz und das Cinema Dornbirn, in denen drei bzw. zwei Säle im Vollbetrieb über das ganze Jahr bespielt werden – also über 1000 Vorstellungen pro Jahr – im Vergleich dazu mit "nur" 20.000 Euro bzw. 17.500 Euro gefördert werden.


Seltsam mutet vor dem Hintergrund des "Kulturgedankens" auch an, dass das Kino Bludenz das ein reines Mainstream-Programm spielt und die Kinothek Lustenau, die abgesehen von etwa 20 Arthouse-Filmen pro Jahr auch ein reines Kommerzprogramm zeigt, mit 15.500 Euro (Bludenz) bzw. 22.800 Euro (Lustenau) fast gleich hoch bzw. sogar höher subventioniert werden als das Cinema Dornbirn, das neben dem Programm des Filmkulturclubs Dornbirn auch im "Regelprogramm" hauptsächlich Arthouse-Filme wie "Maigret", "Tagebuch einer Pariser Affäre", "Tár", "Corsage", "Im Taxi mit Madeleine" oder "The Whale" zeigt.


Verwunderlich ist aber auch weiterhin der Kurswechsel gegenüber der ersten Reaktion auf die angespannte Kinosituation im Herbst 2019. Wurde damals nämlich von der Wirtschaftsabteilung des Landes zunächst erklärt, dass man nicht durch einen Zuschuss, sondern durch die Bildung einer Arbeitsgruppe, die innovative Konzepte entwickeln solle, helfen wolle, gewährte man damals kurze Zeit später doch eine Förderung. Jedes der fünf Kleinkinos sollte in den Jahren 2019 und 2020 jeweils 20.000 Euro vom Land erhalten, sofern die Standortgemeinde jeweils mindestens 5000 Euro zuschoss (Artikel dazu siehe im Anhang "Vorarlberger_Kinos - Zukunftsstrategien").


Wie damals keine Rede mehr von der Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Entwicklung innovativer Konzepte war, so gibt es diesen Gedanken auch heute scheinbar nicht. "Was die Zukunft der kleinen Kinos betrifft, werde man die Entwicklung weiterhin genau beobachten" wird Schöbi-Fink im aktuellen VN-Artikel zitiert.


Durchs "Beobachten" wird sich allerdings die Kinosituation kaum verbessern und Aufgabe der Politik bzw. der Kulturabteilung sollte es wohl auch sein, nicht nur zu beobachten, sondern eben zu GESTALTEN. Statt Konzepte von Schwerpunktsetzung bis zu zielgruppenorientierter Programmierung und Bewerbung zu entwickeln, werden so die Kleinkinos wohl im gleichen Trott weiterarbeiten – und in den kommenden Jahren dann eben wieder um Förderungen ansuchen.


Nur "beobachten" scheint auch entschieden zu wenig, angesichts der Tatsache, dass spätestens 2025 das Cinema Dornbirn schließt und abgerissen wird. Die mit 50.000 Einwohner:innen größte Stadt Vorarlbergs wird damit abgesehen von dem kleinen, 40 Zuschauer:innen fassenden Filmsaal des Spielboden Dornbirns über kein echtes Kino mehr verfügen. Da gibt es im Grunde nichts mehr zu beobachten, sondern zu handeln und schon jetzt Konzepte zu entwickeln, durch die es auch nach Schließung des Cinema in Dornbirn eine Kinozukunft gibt.


Längerfristige Stabilität wird aber wohl nur ein subventioniertes Programmkino oder Filmhaus sichern (Gedanken dazu siehe im Artikel im Anhang "Kino_Vorarlberg_2022_Statusquo_Zukunft"). Das kostet zwar zweifellos mehr als bisher für Kinoförderung ausgegeben wurde, aber immer noch deutlich weniger als in andere Sparten seit Jahren investiert wird (2021: Förderungen Kultur gesamt: 23.493.943,41 Euro – davon 403.000 Euro für Kino + Filmprojekte und Video – im Vergleich: Darstellende Kunst: 4.981.761,23 Euro; Musik: 1.588.093,58 Euro – Quelle: Vorarlberger Kulturbericht 2021, S. 190).


Unbestritten ist wohl auch, dass so ein Programmkino, das es in allen Bundesländern außer im Burgenland und Vorarlberg schon lange gibt, als Treffpunkt aller Filminteressierten ein nicht unbeträchtliches Publikum anlocken dürfte, es also einen Bedarf dafür gibt.


Kinoförderung_Vorarlberg (VN, 22._23.4.2023, D8)
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Vorarlberger_Kinos - Zukunftsstrategien (KULTUR_Dez_Jän_2019_20)
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Kino_Vorarlberg_2022_Statusquo_Zukunft (KULTUR_Februar 2022)
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