• Walter Gasperi

The Magic Flute – Das Vermächtnis der Zauberflöte


Florian Sigl lässt einen Studenten einer fiktiven Salzburger Mozartakademie in die Welt von Mozarts "Die Zauberflöte" abtauchen: Bildmächtiger, aber ziemlich kruder und überladener Mix aus Fantasyfilm, Schul- und Coming-of-Age-Geschichte.


Sterbend fordert sein Vater den jungen Tim (Jack Wolfe) auf, die Salzburger Musikhochschule zu besuchen, die einst auch er selbst besuchte. Tim soll dabei auch ein Buch über "Die Zauberflöte", das der Vater während seiner Schulzeit entwendete, in die Bibliothek zurückbringen. Schon auf der Zugfahrt zu dem nicht in Salzburg, sondern abgeschieden in der Bergwelt gelegenen Internat bahnt sich eine Liebesgeschichte mit Tims Mitschülerin Sophie (Niamh McCormack) an.


Eine klassische Schulgeschichte entwickelt sich auf der einen Seite, wenn ein strenger Rektor (F. Murray Abraham) auftritt, es einerseits zu Mobbing kommt, andererseits sich aber auch eine Freundschaft zwischen Tim und seinem Zimmerpartner entwickelt. Die Burganlage – gedreht wurde teilweise in und um die Burg Hochwerfen – kann dabei durchaus auch Assoziationen an die Hogwarts-Schule in "Harry Potter" wecken.


Wenig erfreut ist der Rektor als Tim beim Vorsingen einen Song von Andrea Boccelli wählt. Doch sichtlich soll das jugendliche Publikum mit dieser modernen Musik, zu der später auch ein Duett mit Jackson 5s "I´ll Be There" kommt, abgeholt werden. Moderne Pop-Musik und klassische Musik sollen hier keine Gegensätze sein, sondern Hand in Hand gehen, um einer jungen Zuschauerschicht die Musik Mozarts und die Handlung der "Zauberflöte" schmackhaft zu machen.


Dazu lässt Regie-Debütant Florian Sigl Tim beim Zurückstellen des Buches durch eine Drehtür in die Welt der märchenhaften Oper abtauchen. Statt auf Poesie setzt Sigl bei dieser Fantasie-Welt aber mehr auf den Bombast und die Special-Effects eines Roland Emmerich, der als Executive Producer fungierte. Da wird Tim nicht nur von einer riesigen Schlange, die an "Dune" erinnert, verfolgt, sondern im Finale nähert sich die Königin der Nacht auch als schwarz-drohender, blitzender und donnernder Sturm, der von US-Horror- und Katastrophenfilmen inspiriert scheint.


Augenfutter bieten die opulenten Settings mit rotbrauner Wüstenlandschaft – gedreht wurde auch auf den Kanaren –, Palast sowie als Gegenpol der ganz in Blaugrau und Schwarz getauchten Welt der Königin der Nacht zweifellos, doch es bleibt beim oberflächlichen Effekt. Dennoch können die Arien Lust auf mehr machen und das Interesse für die Welt der Oper wecken.


Scheibchenweise wird durch wiederholtes Eintauchen Tims in die Märchenwelt Handlung und Musik der "Zauberflöte" präsentiert, während sich in der Realität einerseits die Beziehung zu Sophie entwickelt, andererseits aber auch der Konflikt mit einem Mitschüler und dem Rektor zuspitzt.


Zu viel packt Sigl einfach hinein, wenn er auch von jugendlicher Selbstfindung und Entdeckung des eigenen Wegs, der durchaus auch in Kontrast zu den elterlichen Vorstellungen stehen kann, erzählen will. Vieles wird so angeschnitten, aber nichts wirklich entwickelt. Dazu kommt als zentraler Schwachpunkt, dass die Zauberflöten-Fantasy-Ebene und die Schulebene zu wenig verzahnt werden, sondern weitgehend beliebig parallel laufen.


Hier ist immer die didaktische Absicht spürbar mit spektakulärem Fantasy-Stil die klassische Oper einem jungen Publikum nahe zu bringen, doch die Figuren entwickeln zu wenig Profil, als dass der Film wirklich fesseln könnte. In diese didaktische Richtung gehen auch Schulstunden, in denen der Lehrer mehr das Kinopublikum als die Schüler*innen über Freimaurersymbole in der Oper oder den mittelalterlichen Hanswurst als Vorbild für den Vogelhändler Papageno belehrt.


Ein netter Gag ist zwar die Besetzung des Rektors der Schule mit F. Murray Abraham, der vor fast 40 Jahren in Milos Formans "Amadeus" Mozarts Gegenspieler Salieri spielte, hebt aber das Niveau dieses überladenen, ziemlich kruden und inhomogenen Patchwork so wenig wie ein Kurzauftritt des Opernsängers Rolando Villazón als Vater eines Schülers: Überhoben hat sich Regisseur Florian Sigl mit diesem Projekt - Umso prächtiger strahlt freilich vor diesem Hintergrund die wunderbare Musik Mozarts.



The Magic Flute – Das Vermächtnis der Zauberflöte Deutschland 2022 Regie: Florian Sigl mit: Iwan Rheon, Jack Wolfe, F. Murray Abraham, Jeanne Goursaud Länge: 122 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems


Trailer zu "The Magic Flute - Das Vermächtnis der Zauberflöte"