• Walter Gasperi

Streaming: Ausgewählte Arthouse-Filme bei Mubi und filmingo


El viaje (Fernando Solanas, 1992)

Von Klassikern bis zu modernen Arthouse-Filmen bietet der kostenpflichtige Streaming-Anbieter Mubi so ziemlich alles, was einen Cineasten begeistert. Aber auch das Angebot der Schweizer Plattform filmingo ist nicht zu verachten.


Unter den Titeln, die filmingo im November anbietet, teilweise aber nur in der Schweiz gestreamt werden können, findet sich beispielsweise Christian Petzolds Liebesfilm "Undine" (2020) oder Jan Komasas wuchtiges Drama "Corpus Christi" (2019), in dem sich ein junger Krimineller in einem polnischen Dorf als Priester ausgibt. Aber auch das hochkonzentrierte rumänische Drama "Graduation - Baccalaureat" (2016), in dem Cristian Mungiu anhand der privaten Geschichte eines Vaters, der für seine Tochter nur das Beste will, Einblick in Freunderlwirtschaft und Korruption in Rumänien bietet, kann hier gestreamt werden.


Reichhaltig ist auch das Angebot von Klassikern. Elia Suleimans Debüt "Chronique d'une disparition" (1996) findet sich hier ebenso wie mit "El viaje" (1992) ein großes Road-Movie des vor kurzem verstorbenen Fernando Solanas oder King Hus meisterhaften Martial-Arts-Filme "Dragon Inn" (1967) und "Ein Hauch von Zen" (1971).


Können bei filmingo auch einzelne Filme gemietet werden, so muss bei Mubi ein Abonnement abgeschlossen werden. Einblick in das Werk von Georg Wilhelm Pabst kann man sich hier mit "Die Dreigroschenoper" (1931), dem Bergarbeiter-Drama "Kameradschaft" (1931) und dem Antikriegsfilm "Westfront 1918" (1930) verschaffen. Ein weiteres Meisterwerk der Weimarer Republik findet sich mit Robert Siodmaks und Edgar G. Ulmers "Menschen am Sonntag" (1930).


Die Kunst Éric Rohmers als Meister leichthändiger Beziehungsgeschichten kann man dagegen anhand seines Zyklus "Komödien und Sprichwörter" studieren. Klassiker wie "Vollmondnächte"(1984), "Das grüne Leuchten" (1986) oder "Der Freund meiner Freundin" (1987), die nichts von ihrer Frische verloren haben, stehen zum Streaming bereit.


Ein anderer Schwerpunkt bietet mit aktuellen Produktionen Einblick ins junge brasilianische Kino, während unter dem Titel "Bildsucher" neue Filme präsentiert werden, die sich durch ein mutiges Storytelling auszeichnen. Aber auch ungewöhnlichen und starken Debüts wie Jeanne Balibars modernem Märchen "Wonders in the Suburbs" (2019) oder der trockenen Komödie "Nova Lituania" (2019) des Litauers Karolis Kaupinis wird hier ein Platz geboten, um ein breiteres Publikum zu erreichen.


Ein minimalistisches Meisterstück gelang Steven Knight 2013 mit "Locke", der ausschließlich während einer Autofahrt spielt und mit einem Schauspieler (Tom Hardy) auskommt. Eine packende Abrechnung mit den Praktiken der Pharma-Industrie bietet dagegen Fernando Meirelles´ John le Carré-Verfilmung "Der ewige Gärtner" (2005), während Roberto Rossellini in "Deutschland im Jahre Null" (1948) von einer hoffnungslosen Jugend im zerbombten Nachkriegs-Berlin erzählt und Patricio Guzmán mit dem Essayfilm "Der Perlmuttkopf" eine seiner bestechenden Tiefenbohrungen in der chilenischen Landschaft und Geschichte vorlegt.