• Walter Gasperi

Liebe zum alten Hollywood: Zum Tod von Peter Bogdanovich


Peter Bogdanovich (1939 - 2022)

Mit seinem Debüt "Targets" (1968) und "The Last Picture Show" (1971) gehörte Peter Bogdanovich Anfang der 1970er Jahre zu den wichtigsten Vertretern des New Hollywood. Doch im Gegensatz zu seinen Kollegen war sein Blick immer rückwärts gewandt und feierte nostalgisch das alte Hollywood. Am 6. Januar ist dieser große Cinephile im Alter von 82 Jahren in Los Angeles gestorben.


Schon früh entdeckte der am 20. Juli 1939 in Kingston, New York als Sohn eines serbischen Vaters und einer österreichisch-jüdischen Mutter geborene Peter Bogdanovich seine Leidenschaft für Film und Theater. Mit 15 soll er Turnstunden geschwänzt haben, um Schauspielunterricht bei Stella Adler zu nehmen. Bald verdiente er sich ein paar Cent in einem Studio-Kino mit Einführungen zu Filmen.


Als 20-Jähriger inszenierte er als eigene Off-Broadway-Produktion die sarkastische Hollywood-Abrechnung "The Big Knife" und begann Filmkritiken unter anderem für "Film Culture", "Esquire" und "Village Voice" zu schreiben. Die Premiere von Howard Hawks' Abenteuerfilm "Hatari" (1962) nutze er, um das Museum of Modern Art zu einer Retrospektive des Altmeisters zu überreden und dem Museum gleichzeitig eine Hawks-Monographie anzubieten. Ein Jahr später wiederholte er den Coup anlässlich der Premiere von Hitchcocks "The Birds" (1963).


Legendär ist sein Buch "Who the Devil Made It" ("Wer hat denn den gedreht?"), das Interviews mit 16 Regisseuren, darunter Alfred Hitchcock, George Cukor, Howard Hawks, Robert Aldrich und Sidney Lumet enthält. Mit Orson Welles verband ihn eine jahrelange Freundschaft und mit der Monographie "The Last Pioneer" entriss er den Hollywood-Veteranen Allan Dwan dem Vergessen.


Wie die Nouvelle Vague-Regisseure Truffaut, Godard und Rivette, mit denen ihn auch ein Faible für die Autorentheorie verband, kam auch Bogdanovich übers Schreiben zur Regie. Für den King of the B´s Roger Corman arbeitete er bei "The Wild Angels" 1966 als Regieassistent und Corman ermöglichte ihm auch das Regiedebüt "Targets" (1968).


Mit der Besetzung der Hauptrolle mit dem einstigen Horrorfilm-Star Boris Karloff, der hier quasi sich selbst spielt, erwies Bogdanovich auch hier dem alten Hollywood seine Reverenz. Gleichzeitig brachte er mit einem Amokläufer aber auch die Gegenwart der 1960er Jahre ins Spiel.


Wie dieses Debüt drehte er auch drei Jahre "The Last Picture Show" (1971) in Schwarzweiß. Bogdanovichs berühmtester Film wurde diese in den frühen 1950er Jahre spielende Geschichte vom Ende einer Jugend, die mit der Schließung eines Provinzkinos korrespondiert. Und wieder wird mit Kinovorführungen von Vincente Minnellis "Father of the Bride" und Howard Hawks´ "Red River" die glanzvolle Zeit des alten Hollywoods beschworen.


Während seine New Hollywood-Kollegen wie Robert Altman, Sidney Pollack oder Francis Ford Coppola kritisch die US-Gesellschaft der 1970er Jahre unter die Lupe nahmen, blieb Bogdanovichs Blick weiterhin rückwärts gewandt. Mit "What´s up Doc?" ("Is was Doc?", 1972) drehte er eine Hommage an die Screwball-Komödien der 1930er und 1940er Jahre, vor allem an Hawks´ "Bringing up Baby" ("Leoparden küsst man nicht", 1938). In "Paper Moon" schickte er Ryan O´Neal und dessen neunjährige Tochter Tatum als Gaunerpärchen durch die von der Weltwirtschaftskrise erschütterte USA der 1930er Jahre. Die Regie an den späteren Welterfolgen "Der Pate", "Der Exorzist" und "Chinatown" lehnte er dagegen ab, weil ihm die Stoffe nicht vielversprechend erschienen oder ihn nicht interessierten.


Als geschmackvoll, aber oberflächlich wurde die Ende des 19. Jahrhundert spielende Henry James-Adaption "Daisy Miller" (1974) kritisiert, und auch sein Blick auf die frühe Stummfilmzeit in "Nickelodeon" (1976) fiel sowohl bei Publikum als auch bei Kritik durch.


Die Komödie "They All Laughed" (1981) wiederum wurde von einer persönlichen Tragödie um Dorothy Stratten, das Playmate des Jahres 1980, überschattet. Denn die 20-Jährige, der Bogdanovich eine Rolle in seinem Film gegeben hatte und in die er sich während der Dreharbeiten verliebt hatte, wurde noch vor dem Filmstart im August 1980 von ihrem Ehemann Paul Snider ermordet. Die Tragödie raubte dem Film alle Kinochancen. Acht Jahre später heiratete Bogdanovich Dorothys Schwester Louise trotz eines Altersunterschieds von fast 30 Jahren.


Schien das Melodram "The Mask" (1985), in dessen Mittelpunkt ein missgebildeter Junge steht, ein Comeback einzuleiten, so folgten darauf doch wieder Flops. Auch das in den 1920er Jahren spielende Kriminaldrama "The Cat´s Meow" (2001), in dem Bogdanovich über den bis heute ungeklärten Tod des Filmregisseurs und Produzenten Thomas Harper Ince im Jahr 1924 spekuliert, fand trotz positiver Kritiken kein Publikum.


Noch einmal widmete sich dieser große Cinephile 13 Jahre später in seinem letzten Kinofilm "Broadway Therapy" (2014) der Goldenen Zeit Hollywoods. Doch auch diese neuerliche nostalgische Hommage an die klassischen Screwball-Komödien ließ es trotz glänzender Besetzung an Pfiff und Esprit missen. – Bleiben werden von Bogdanovich, der am 6. Januar im Alter von 82 Jahren in Los Angeles an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung starb, aber seine großen frühen Filme, die zum zeitlosen Bestand der Filmgeschichte zählen.


A Tribute to Peter Bogdanovich