top of page

Land der Pharaonen

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • 27. Mai
  • 3 Min. Lesezeit
"Land der Pharaonen": Howard Hawks´ Monumentalfilm erzählt eine fiktive Geschichte über den Bau der Cheops-Pyramide
"Land der Pharaonen": Howard Hawks´ Monumentalfilm erzählt eine fiktive Geschichte über den Bau der Cheops-Pyramide

Howard Hawks erzählt in seinem 1955 entstandenen Monumentalfilm eine fiktive Geschichte über den Bau der Cheops-Pyramide. – Bei Plaion Pictures ist die mit farbenprächtigen Massenszenen und Intrigen am Hof des Pharaos unterhaltende Produktion in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.


Während biblische und im antiken Rom spielende Geschichten Hollywood immer wieder zu Monumentalfilmen anregten, griff man auf das Alte Ägypten nur selten zurück. Zu den bekannten Ausnahmen zählen der Horrorfilm "The Mummy" (1932 / 1999 / 2017), dessen Haupthandlung freilich im 20. Jahrhundert spielt, sowie "The Egyptian" ("Sinuhe der Ägypter") von Michael Curtiz (1954). Auch Cecil B. De Milles "The Ten Commandments" (1923 / 1956) und Ridley Scotts "Exodus: Gods and Kings" (2014) spielen zwar in dieser Epoche, doch im Zentrum steht dabei jeweils die biblische Geschichte um Moses.


Alle christlich-jüdischen Bezüge sind in Howard Hawks´ "Land of the Pharaohs" fern, spielt dieser Film doch im dritten Jahrtausend vor Christus zur Regierungszeit von Pharao Cheops (etwa 2620 – 2580 v. Chr.). Markant von anderen Monumentalfilmen unterscheidet ihn aber auch die Länge, denn sonst üblichen drei Stunden stehen hier knappe 105 Minuten gegenüber.


Hawks konzentriert sich ganz auf den Bau der berühmtesten Pyramide, in der sich Cheops (Jack Hawkins) mit seinen Schätzen bestatten lassen will. Einsetzend mit der Rückkehr von einem erfolgreichen Feldzug und dem Plan zum Bau dieser Grabstätte bis zur Bestattung werden mehrere Erzählstränge verknüpft und der Handlungsbogen leichthändig über mehrere Jahrzehnte gespannt.


Der Gier des Pharaos nach Macht und Schätzen steht die bedrückende Situation der von ihm versklavten Kuschiten gegenüber. Einen starken Gegensatz baut Hawks hier mit dem ägyptischen Machthaber und dem genialen kuschitischen Baumeister auf, dessen Volk für die Errichtung der Pyramide die Freiheit erhalten soll. Eindrücklich wird auch in einer Montagesequenz geschildert, wie die anfängliche Begeisterung des Volks für das Großprojekt mit den Jahren der Erschöpfung weicht.


Im Gegensatz zu anderen Monumentalfilmen gibt es hier keine orgiastischen Feste und Schlemmereien, mit denen die Dekadenz des Reichs geschildert wird, sondern die spektakulären Massenszenen beziehen sich – abgesehen von der den Film einleitenden, triumphalen Rückkehr des Königs von einem Kriegszug – immer auf den Pyramidenbau.


Zur Gegenspielerin des Pharaos entwickelt sich dabei die zypriotische Prinzessin Nellifer (Joan Collins), die von ihrer Heimat als Tribut nach Ägypten geschickt wurde. Diese versteht es mit ihrem Selbstbewusstsein das Herz des Königs für sich zu gewinnen, verführt aber bald auch einen Offizier und schmiedet mit diesem eine Intrige, um sich nicht nur der Schätze des Pharaos zu bemächtigen, sondern auch dessen Nachfolgerin zu werden.


Während bei diesen Intrigen auch dadurch Spannung aufgebaut wird, dass die Zuschauer:innen immer über einen Wissensvorsprung verfügen, bieten die Massenszenen des in CinemaScope gedrehten Films Augenfutter. Nicht zu übersehen ist aber auch, dass Hawks im Grunde mit dieser fernen Welt wenig anfangen konnte.


Der Gegensatz von pompösem Siegeszug am Beginn und Begräbnis am Ende erinnern zwar eindrücklich an Vergänglichkeit und Nichtigkeit menschlicher Gier, doch Hawks´ Interesse galt wohl vor allem den technischen Aspekten des Pyramidenbaus. Bei Figurenzeichnung und Konfliktentwicklung ist dagegen kaum Engagement zu spüren.


Die Schauspieler:innen agieren hölzern und die Dialoge, an denen auch Nobelpreisträger William Faulkner mitarbeitete, wirken papieren. Dennoch macht der Umstand, dass es kaum andere Hollywood-Filme über das Alte Ägypten gibt, Hawks´ - abgesehen von seinen Western – einzigen historischen Film interessant und sehenswert.


An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures erschienene Blu-ray und DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. Die Extras umfassen neben dem englischen Trailer, einer Bildergalerie und dem siebenminütigen "Bugs Bunny"-Cartoon "Sahara Hare" vor allem einen sehr informativen, englischen Audiokommentar von Peter Bogdanovich, der zwar nicht untertitelt, aber gut verständlich ist und auch durch Passagen aus einem Interview Bogdanovichs mit Hawks unterstützt wird.

Kommentare


bottom of page