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  • AutorenbildWalter Gasperi

Ernest & Célestine: Die Reise ins Land der Musik

Aktualisiert: 2. Feb.


Zehn Jahre nach dem Erfolgsfilm "Ernest & Célestine" gelingt Julien Chheng und Jean-Christophe Roger wiederum ein bezaubernder Animationsfilm um die Maus Célestine und ihren befreundeten Bären Ernest: In der Heimat Ernests stößt das ungleiche Duo auf ein autoritäres Regime, in dem Musik verboten ist.

Zum Sensationserfolg entwickelte sich der 2012 entstandene Kinderfilm "Ernest & Célestine" und wurde unter anderem mit einem César als bester Animationsfilm ausgezeichnet und in dieser Kategorie auch für den Oscar nominiert. Wie Stéphane Aubier, Vincent Patar und Benjamin Renner auf der Basis von Gabrielle Vincents Kinderbuchreihe "Ernest & Célestine" (deutsch: "Mimmi und Brumm") von der Entstehung einer scheinbar unmöglichen Freundschaft zwischen dem kleinen Maus-Mädchen Célestine und dem mächtigen Grizzlybär Ernest erzählten, begeisterte nicht nur durch die berührende Geschichte, sondern auch durch die formale Gestaltung.


Abseits vom Hyperrealismus der meisten aktuellen computergenerierten Animationsfilme orientierten sich die Macher an den Bleistiftillustrationen der Vorlage und deuteten den Hintergrund mit blassen wie hingetupften Aquarellbildern vielfach mehr an, als ihn plastisch auszuformulieren. Perfekt korrespondierte die Zartheit der Farben und des visuellen Stils mit dem liebevollen Umgang der beiden ProtagonistInnen und verstärkte das Gefühl für diese Freundschaft.


Nachdem 2017 eine Fernsehserie mit 52 je 13-minütigen Folgen folgte, gibt es nun ein neues Kinoabenteuer. Die Regisseure mögen zwar gewechselt haben, doch dem Stil sind die neuen Macher treu geblieben und verzaubern schon mit der einleitenden Straßenmusikszene, die sich freilich rasch als Traum von Ernest entpuppt. Kaum aus dem Winterschlaf erwacht, macht sich aber der Hunger bemerkbar, doch im gemeinsamen Haushalt finden sich keine Nahrungsmittel, sodass zunächst Geld mittels Straßenmusik verdient werden muss. Sofort will Célestine Ernests wertvolle Geige holen, doch diese geht dabei zu Bruch. Repariert werden kann sie aber laut Ernest nur in seinem Heimatland Scharabska, in das er aber keinesfalls zurückkehren will.


Die hartnäckige Célestine lässt sich aber nicht aufhalten, bricht alleine auf, doch bald folgt ihr Ernest. War Scharabska aber einst das Land der Musik, so darf dort inzwischen nur noch ein einziger Ton gespielt werden. Die finstere graue Musikpolizei verfolgt Widerständler und konfisziert alle Musikinstrumente. Selbst die blaugelben Meisen, die unbekümmert auf den Dächern zwitschern, sind den Ordnungshütern ein Dorn im Auge und werden mit Wasserschläuchen gejagt. Streng nach der Maxime "Es ist, wie es ist. Und so bleibt es" wird hier jede Veränderung abgelehnt und Kinder müssen auch jeweils den Beruf ihrer Eltern ergreifen.


So eindrücklich Julien Chheng und Jean-Christophe Roger auch die Beklemmung eines autoritären Regimes und die Freudlosigkeit einer musiklosen Welt beschreiben, so leicht und kindgemäß bleibt doch dieser Film, der auch Einblick in die Familiengeschichte Ernests bietet. Denn es ist immer wieder die Musik sowie der Einfallsreichtum und der Witz Célestines, die in dieser bedrückenden Welt für Lebensfreude und Heiterkeit sorgen.


Außer Frage steht dabei freilich auch, dass durch die Kraft der Freundschaft, aber auch der Musik die im Untergrund lebenden Widerstandskämpfer letztlich siegen werden und auch in Scharabska die Freiheit einkehren wird, die jedem erlaubt, den Beruf zu ergreifen, den er will.


Die Absage an einengende Strukturen und überholte Traditionen und das Plädoyer für Toleranz und Freiheit werden aber nie penetrant vorgetragen, sondern sind bestens verpackt in eine mit viel Liebe zum Detail und temporeich erzählte Handlung. Nie kommt hier Leerlauf auf, souverän werden Spannung und Witz verbunden und auch Nebenfiguren wie Ernests Eltern und seine Schwester gewinnen Profil.


Gleichzeitig bleibt dieser hinreißende Animationsfilm, der auch von der Wichtigkeit zivilen Widerstands erzählt, aber auch immer kindgemäß, überfordert nie und erschreckt auch trotz des im Grunde ernsten und bitteren Themas, das auch Assoziationen an reale autoritäre Regime weckt, nie. Ernest & Célestine: Die Reise ins Land der Musik

Frankreich 2022 Regie: Julien Chheng, Jean-Christophe Roger Animationsfilm Länge: 79 min.



Läuft derzeit in den Schweizer und deutschen Kinos


Trailer zu "Ernest und Célestine - Die Reise ins Land der Musik


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