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  • AutorenbildWalter Gasperi

Crossing Europe 2023: Mit 139 Filmen quer durch Europa

Aktualisiert: 1. Mai 2023


Vom 26. April bis 1. Mai 2023 feiert das Crossing Europe Filmfestival Linz sein 20. Jubiläum: Mit 139 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen aus 45 Ländern ist wieder ein spannendes Programm mit filmisch aufregendem und gesellschaftlich relevantem europäischen Autor:innenkino zu erwarten. - Der Kartenvorverkauf beginnt am 17. April.


Eröffnet wird die Jubiläumsausgabe von Crossing Europe, das zum zweiten Mal von Sabine Gebetsroither und Katharina Riedler geleitet wird, wie gewohnt parallel mit vier Filmen, die einen Einblick in die unterschiedlichen Sektionen des Festivals bieten. Auf das European Panorama Fiction stimmt so Estibaliz Urresola Solagurens bei der heurigen Berlinale preisgekröntes Debüt "20.000 Especies de Abejas - 20.000 Species of Bees" ein. Die Baskin erzählt darin von der Identitätssuche eines achtjährigen Mädchens, das sich zunehmend als Junge fühlt.


Einblick in die Brutalität des Ukraine-Kriegs bietet dagegen Vitaly Manskys und Yevhen Titarenkos "Shidniy Front – Eastern Front", mit dem die Sektion European Panorama Documentary eröffnet wird. Der griechische Tribute-Gast Angeliki Papoulia wird mit Syllas Tzoumerkas´ "Drama "Blast" vorgestellt, in dem Papoulia eine Frau spielt, die während der Wirtschaftskrise ums finanzielle Überleben kämpft. Und die Sektion "Nachtsicht" startet mit "Svetlonoc – Nightsiren", in dem Tereza Nvotová das klassische Hexennarrativ im Kontext patriarchaler Strukturen und Misogynie aufbricht.


In dem mit 5000 Euro dotierten Crossing Europe Award – Best Fiction Film konkurrieren heuer elf erste und zweite Spielfilm. Während Ann Orens höchst eigenwilliger "Piaffe" schon letztes Jahr in Locarno und Giacomo Abbruzzeses visuell starkes und fiebriges Fremdenlegions-Drama "Disco Boy" bei der heurigen Berlinale im Wettbewerb liefen, darf man sich von den anderen neun Filmen überraschen lassen.


Der Bogen spannt sich dabei von "Amanda" der Italienerin Carolina Cavalli bis zur ukrainisch-tschechisch-kroatischen Produktion "Bachenny Metelyka – Butterfly Vision" von Maksym Nakonechnyi. In diesen beiden Filmen spiegelt sich auch schon die inhaltliche Bandbreite des Wettbewerbs, wenn der privaten Geschichte um die Identitätsfindung einer jungen Italienerin, die in ihr Heimatdorf zurückkehrt, in "Butterfly Vision" das Schicksal einer ukrainischen Soldatin gegenübersteht, die nach Rückkehr aus dem Krieg erkennen muss, dass sie nach der Vergewaltigung durch einen Gefängniswärter schwanger ist.


Osteuropa gibt im Wettbewerb mit dem georgischen Beitrag "Chemi Otakhi – A Room of My Own" von Ioseb "Soso" Bliadze, dem polnischen "Chleb i Sol – Bread and Salt" von Damian Kocur, der tschechisch-ungarisch-italienisch-slowakischen Koproduktion "Bezna Selhany – Ordinary Failures" und dem kroatischen "Sigurno Mjesto – Safe Place" von Juraj Lerotic klar den Ton an. Frankreich ist daneben ebenso mit einer Produktion vertreten "(Les pires – The Worst Ones" von Lise Akoka und Romane Gueret) wie Griechenland (("Isihia 6-9 – Silence 6-9" von Christos Passalis) und Schweden ("Mayo Nilo – Laura" von Lovisa Sirén).


Elf Filme konkurrieren auch um den ebenfalls mit 5000 Euro dotierten Crossing Europe Social Awareness Award für den besten Dokumentarfilm. Der Bogen spannt sich hier von "The DNA of Dignity", in dem Jan Baumgartner forensische Anthropolog:innen begleitet, die in Bosnien-Herzegowina menschliche Überreste des Massakers von Srebrenica zu identifizieren versuchen, bis zum Blick auf jugendliche Lebenswelten in Hanka Nobis´ "Polish Prayers" und Elwira Niewieras und Piotr Rosolowskis "Syndrom Hamleta – The Hamlet Syndrom".


Während Nobis vier Jahre lang einen erzkatholischen jungen Polen mit der Kamera begleitete, erzählen sich in "The Hamlet Syndrom" fünf junge Menschen aus der Ukraine, die nach der Maidan-Revolution 2014 ihrer Lebensträume beraubt sind, während Proben für eine Neuinszenierung von "Hamlet" sich gegenseitig aus ihren Leben.


Bekanntester Name im sieben Filme umfassenden Programm der YAAS!-Jugendschiene ist sicher der Franzose Christophe Honoré mit "Le Lycéen – Winter Boy", der unter dem Titel "Der Gymnasiast" vor kurzem in den deutschen Kinos angelaufen ist. Aber auch die anderen Filme, in denen ebenfalls jeweils Teenager im Zentrum stehen, klingen vielversprechend.


Im European Panorama Fiction, das einen Querschnitt durch das zeitgenössische junge europäische Autor:innenkino bieten will, stechen von den Namen her Léa Mysius mit ihrem Zweitling "Les cinq diables – The Five Devils" und Ilker Catak mit dem bei der Berlinale viel beachteten "Das Lehrerzimmer" heraus.


Starkes Kino bieten aber auch Teona Strugar Mitevska, die nach ihrem Erfolg mit "God Exists – Her Name is Petrunya" in "The Happiest Man in the World" ausgehend von einem Speed-Dating von den traumatischen Nachwirkungen des Bosnien-Kriegs erzählt, und Antoneta Alamat Kusijanoviv mit ihrer an der malerischen kroatischen Adriaküste spielenden, bildintensiven Coming-of-Age-Geschichte "Murina".


Gerade die unbekannten Namen bieten hier aber auch die Möglichkeit zu überraschenden Entdeckungen abseits ausgetretener Pfade. Dies gilt freilich auch für die elf Filme der Sektion European Panorama Documentary. Verlassen kann man sich bei diesem Festival darauf, dass es sich durchwegs um handverlesene Filme mit ausgeprägten Handschriften handelt. Viele Filme werden sicher zu Diskussionen anregen, biederes Kino wird aber kaum geboten werden.


Als Special zum 20. Geburtstag des Festivals werden Edith Staubers und Michaela Mairs "Über eine Straße" (2004) und die Kurzfilm-Kompilation "Lost and Found" (2005) gezeigt, während die Arbeitswelten mit vier Dokumentarfilmen, darunter Pepe Danquarts "Daniel Richter" und Melanie Liebheits und Gereon Wetzels "She Chef" das Verhältnis von Kunst und Arbeit beleuchten.


Der Tribute lädt mit Filmen wie Yorgos Lanthimos´ "Dogtooth" und "Alps" oder Helena Wittmans "Human Flowers of Flesh" zu einem Streifzug durch die Karriere der griechischen Schauspielerin Angeliki Papoulia ein. Die Schiene Local Artists bietet dagegen eine große Plattform für das oberösterreichische Filmschaffen von Selma Doboracs ebenso strengem wie verstörendem, von langen intensiven Monologen bestimmten "De facto" bis zu Norbert Pfaffenbichlers dialoglosem "The Orgy of the Damned".


Aber auch das europäische Genrekino kommt mit der von Markus Keuschnigg kuratierten Schiene Nachtsicht nicht zu kurz. Auch hier darf man mit Filmen wie dem im baskischen Mittelalter spielenden Fantasy-Film "Irati" oder dem 1944 spielenden, finnischen Action-Film "Sisu", in dem sich ein finnischer Ex-Soldat in der kargen Landschaft Lapplands mit marodierenden Nazis einen erbitterten Kampf um einen Goldklumpen liefert, aufregende Kinokost abseits des Mainstreams erwarten.

Filmprogramm und weitere Informationen finden Sie hier.





Trailer zum Crossing Europe Filmfestival Linz 2023


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