• Walter Gasperi

Blutiger Strand


Im Zweiten Weltkrieg soll ein Bataillon von US-Marines eine philippinische Insel von den Japanern zurückerobern. Cornel Wilde konzentriert sich ganz auf den Angriff und einen Tag, bietet aber in eingeschnittenen Fotos und Voice-over auch Einblick in die Gedanken der Soldaten. Bei Koch Films ist der 1967 entstandene Antikriegsfilm auf DVD und Blu-ray erschienen.


Mit hartem Schnitt werden noch vor dem Vorspann dem Bild einer idyllischen Insel nächtliches Gefechtsfeuer und detonierende Granaten gegenübergestellt. Kein Insert gibt es zu Zeit und Ort der Handlung. Mitten hinein in ein Amphibienfahrzeug, in dem ein Trupp von US-Soldaten angespannt und voll Angst auf das Signal zur Landung auf der von den Japanern besetzten Insel erwartet, versetzt Cornel Wilde den Zuschauer.


So fern diese Szene von jeder Heroisierung ist, so bricht doch Pathos durch als zum Beginn der Landung Marschmusik einsetzt. Ein Schwachpunkt von "Blutiger Strand" ist diese Musik, doch erfreulicherweise wird sie in der Folge nur selten eingesetzt. Ungeschönt schildert Wilde, der selbst die Hauptrolle des Captain McDonald spielt, das Vorrücken der Soldaten zunächst im Wasser, ehe dies vom Robben durch den Sand abgelöst wird.


Filmisch unterstützt wird die Schilderung der Landung – wohl aus Kostengründen – durch Archivmaterial, das Flottenverbände und deren Geschützfeuer zeigt. Doch spätestens mit dem Erreichen der Küste, legt Wilde den Fokus ganz auf die Soldaten, zeigt ihr grausames Sterben im Sand und greift langsam einige wenige heraus, die sich zu den Protagonisten entwickeln.


Neue Gefahren drohen bald beim Vorrücken durch hohes Gras mit dem Beschuss aus Bunkern. Ist der Feind zunächst weitgehend unsichtbar und auf Distanz, so kommt es mit Erreichen des Dschungels vermehrt auch zum Nahkampf. Dass dabei Kunstblut vergossen wird, ist zwar unübersehbar, dennoch baut Wilde mit den wechselnden Landschaften und Kampfsituationen nicht nur Spannung auf, sondern vermittelt auch realistisch die permanente Angst, die sich in einem Krieg unter den Soldaten breit macht.


Neben Wildes Captain fokussiert er dabei auf Sergeant Honeywell, Colombo, der davon träumt, bald wieder nach Hause geschickt zu werden, und die kaum 20-Jährigen Cliff und Egan. Steht zuerst der erbitterte Kampf gegen die Japaner im Zentrum, so nützt er bald Feuerpausen um mit Voice-over der Protagonisten, eingeschnittenen Fotos und kurzen Filmszenen Einblick in deren Gedanken und Erinnerungen zu bieten.


Einerseits kreisen diese um Frau und Kinder oder auch um die Freundin oder ein Abenteuer mit einer Frau, andererseits steigen auch traumatische Erinnerungen an den Tod von Gefährten oder die Ermordung eines Japaners in einem Zweikampf auf. Wilde beschränkt sich dabei nicht auf die amerikanische Perspektive, sondern gibt auch den Japanern Profil, wenn er auch diese sich an ihre Familien erinnern lässt.


Dass die Frauen in den Rückblenden durch Kleidung und Auftreten in den 1960er und nicht in den 1940er Jahren verankert sind, muss man als dummen Fehler hinnehmen. Zudem nehmen diese Erinnerungen mit Fortdauer nicht nur zu viel Platz ein, sondern wirken in der Fülle auch reichlich kunstgewerblich und teilweise kitschig.


Immerhin verstärkt die Kontrastierung der Kriegsszenen mit diesen Bildern eines glücklichen und friedlichen Lebens die pazifistisch-humanistische Botschaft. Kein Feindbild wird hier aufgebaut, sondern der Krieg, dessen Ursachen Wilde freilich nicht interessieren, erscheint als Zerstörer jeder Menschlichkeit.


An Sprachversionen bieten die bei Koch Films erschienene DVD und Blu-ray die englische Original und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf den Trailer, eine Bildergalerie und ein Interview mit Cornel Wilde.